Gedenken an das Novemberpogrom

10.November 2019 in dramatisch, gestern & heute, persönlich

Am Abend des 9. November fanden sich Verantwortliche der Stadt und viele Bürger*innen, darunter eine größere Gruppe von Konfirmant*innen der evangelischen Pfarre beim Denkmal der ehemaligen Synagoge zu einem Gedenken ein.

c Willy Kraus
Neben mir StR Schimanova, GR Wildeis, GR.in Mayer, GR.in Drechsler, Alt-Bürgermeister Burg
c Willy Kraus

Hier mein Beitrag:

Bürger*innen – wir – treffen sich jedes Jahr am selben Tag – heute – im Gedenken an den 9. November 1938. Heute vor 81 Jahren brannte die Synagoge auch in Mödling als Symbol jüdischen Lebens auch in dieser Stadt.

Die Führung der Nazi-Partei inszenierte das Novemberpogrom als Test für die Bevölkerung: wie weit sie das Drangsalieren / Bestehlen der jüdischen Nachbarn mit zu tragen bereit und sogar für mehr „zu haben“ ist, für die Vernichtung / Ermordung der Juden im Land.

Wir müssen mit Scham erkennen, dass große Teile der Bevölkerung – auch in unserer Stadt – diesen Test mit Bravour bestanden haben: die Synagoge brannte unter Johlen + Klatschen von Menschen, unseren Ur-Großeltern.

Wenn wir uns in den vergangenen Jahren hier beim 2003 errichteten Denkmal für die Synagoge trafen, so taten wir das immer in der Verpflichtung der Erinnerung an die Opfer, uns unserer Geschichte stellen müssen, uns an die unfassbaren Verbrechen erinnern zu müssen, die vor 3 Generationen auch hier an dieser Stelle an Mitmenschen begangen wurden.

Wir schlossen immer wieder mit dem Appell „NIEMALS WIEDER“. Aber seien wir ehrlich: wir taten das mit einem Gefühl, wie „ja eh“. Natürlich. Aber mit dem Gefühl: das Kapitel ist geschlossen.

Heute müssen wir fassungslos erkennen, dass der Antisemitismus wieder eine aktuelle und reale Bedrohung darstellt: Anschläge in Halle, in Pittsburgh, in Frankreich gegen Jüdinnen und Juden; immer dreisterer Hass im Netz. In unserem Land singen erwachsene – und meist akademisch gebildete Männer – Lieder zum Lob für Adolf Hitler und mit Schmähungen und Verhöhnungen gegen „die Juden“ und bleiben im Amt und Würden.

Das „World Jewish Council“ hat unlängst eine Studie veröffentlicht, nach der 27% der Deutschen für Antisemitismus empfänglich sind. Und das wird bei uns bestensfalls nicht anders sein.

Wir müssen erkennen, dass der Antisemitismus nie weg war – er war nur aus schlechtem Gewissen versteckt. Und dieses Gewissen scheint zu verschwinden. In einer Zeit, in der es nicht allen Menschen gut geht, aber doch unvergleichlich besser als in den 30er-Jahren. Der Gedanke, was wäre, wenn heute in Deutschland – wie 1932 – 5,6 Mio. arbeitslos wären und die noch dazu zum großen Teil ausgesteuert, lässt einen erschrecken.

Ich muss gestehen, mich machen diese Entwicklungen fassungslos. Ich bin aufgewachsen und habe bisher gelebt in dem festen Glauben, dass die Verbrechen in der Zeit des NSso ungeheuerlich waren und das Wissen darüber so allgegenwärtig, dass sich diese Form von Denken für immer selbst disqualifiziert hat.

Ich glaube, wir müssen uns darüber klar werden, dass wir an Tagen wie dem 9. November nicht nur über Geschichte reden, sondern dass es HEUTE wieder um die Art und Weise des Zusammenlebens in unserem / unseren Ländern geht. Wir brauchen Mut und Konsequenz. Und wir brauchen sie „rechtzeitig“ (VdB). Wir sind gefordert, antisemitischem Denken und Reden überall entgegen zu treten. Im Wirtshaus, wenn im Suff „Treue als Ehre“ gepriesen wird – so lange man für eine Kritik nur eine blöde Antwort zu gewärtigen hat. Auch auf der politischen Ebene: bitte versucht nicht, mit solchen Leuten einen Teil des Weges gemeinsam zu gehen.

Ich versuch den Appell wieder mit einer aktuellen Betonung: „NIEMALS WIEDER!“

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Koalitionsverhandlungen

10.November 2019 in GRÜN, herausfordernd, interessant

Die GRÜNEN haben heute, Sonntag, 10.11.2019, beschlossen, in Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP einzutreten.

Als Vizebürgermeister einer Kleinstadt, der seit nun fast 10 Jahren mit der ÖVP koaliert, bin ich froh über diese Entscheidung.

Ja: es ist riskant, in die Zusammenarbeit mit einer Partei zu gehen, die nichts dabei gefunden hat, die vergangenen beiden Jahre mit Rechtsextremen eine Regierung zu bilden.

Ja: es ist riskant, in eine Koalition zu gehen, wenn man 2 Jahre nicht im Parlament vertreten war, viele Abgeordnete und fast alle Mitarbeiter*innen und damit enorm viel Erfahrung, sowie praktisch die gesamte Infrastruktur verloren hat.

Ja: es ist einfacher, Opposition zu machen und bequem gegen eine Regierung Stimmung zu machen.

Ja: die ÖVP ist nicht „einfach“. Selbstgefällig, total machtorientiert, durchaus inhomogen (bis zerstritten) und ohne wirklichen Gestaltungswillen.

Aber die ÖVP wurde bei der Wahl zur stärksten Partei gewählt – wie auch in Mödling.

Und wenn wir das, was uns wichtig ist, umsetzen wollen, müssen wir mit denen zusammengehen, mit denen das möglich ist.

Ja: mit zu regieren ist ein Wagnis.Wir sind in Mödling 2010 das Wagnis eingegangen und ich bin auch nach fast 10 Jahren froh darüber. Ich denke, meine Stadt hat sich in vielerlei Hinsicht zum Positiven geändert. Mobilität ist ein zentrales Thema und sowohl beim ÖV, als auch beim Radfahren ist viel weiter gegangen. Bei der Stadtplanung wird Mödling mittlerweile landesweit geachtet. Seit 10 Jahren gibt es keine schlechte Nachrede wegen zweifelhafter Baugenehmigungen mehr. Die Budgetpolitik ist verantwortungsvoll. Vieles in der Verwaltung ist heute professioneller und weniger beliebig. Insgesamt wurde Mödling auf vielen Gebieten mehr und mehr zu einem Ort, auf den auch die anderen Gemeinden schauen; wir sind „moderner“ geworden und hinken nicht hinter anderen her. In einigen wichtigen Punkten sind wir Vorbild.

Aber natürlich kostet das: in erster Linie Nerven. Oft anstrengende Abstimmprozesse. Loyalität und Verlässlichkeit in den eigenen Reihen.
Und Glaubwürdigkeit. Als Regierungspartner trägt man Entscheidungen mit, die einem selbst – wäre man alleine auf der Welt – so nie und nimmer einfallen würden. Und die durchaus auch weh tun. (Wobei auf kommunaler Ebene sicher viel weniger kritische Themen gegeben sind: Menschenrechte und Migration sind in einer Gemeinde fast nur Indikatoren allgemein politischer Einstellungen – aber auch da gilt es, viel runter zu schlucken…).

Ich wünsche Werner Kogler und seiner Mann-/Frauschaft viel Erfolg bei den Koalitionsverhandlungen und erst recht eine gute Hand, einen Teil der Geschicke des Landes mit zu verantworten.

Und ich bin stolz, dass GRÜNE mit zu den Gestaltern unseres Landes zählen. So wie ich stolz bin, in meiner Stadt gestalten zu dürfen…

Pflanzung eines Baums anlässlich der Angelobung der ersten schwarz-grünen Stadtregierung 
… und Nauauflage 2015 (die Äpfel stammen nicht vom 2010 gesetzten Baum!)

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Baustellen in Mödling: update 24. Oktober

24.Oktober 2019 in interessant

Nur noch eine große und zwei kleinere Baustellen lohnen heute einen Bericht:

Resitutagasse

Ein größeres Straßenbauvorhaben kennzeichnet gleichzeitig das nahende Ende einer Riesen-Dauer-Baustelle: vor wenigen Tagen wurde mit der Resitutagasse begonnen, nachdem das Krankenhaus jetzt fast fertig ist (und überraschenderweise ein paar Tage vor der Gemeinderatswahl im Jänner eröffnet werden wird).

Die Restitutagasse vor dem Haupteingang des neuen Krankenhauses gerade im Bau: Die Fahrbahn wird zum größten Teil als Einbahn zur Peyergasse geführt, neben der Straße führt ein Radweg und getrennt davon ein Gehsteig am Krankenhaus entlang.
Heute wurde die Restitutagasse probeweise mit dem Citybus befahren: der Citybus wird ab Dezember eine Haltestelle direkt beim Haupteingang bekommen.
Auch den Haupteingang kann man schon erahnen. Leider ist die Fläche davor asphaltiert und für Autos vorgesehen (ursprünglich sollte das eine Grünfläche werden, während die Autos in einer Tiefgarage verschwunden wären…)

Sokolpromenade

Die Reihenhäuser entlang der Grutschgasse werden voraussichtlich in der zweiten Novemberhälfte an die neuen Eigentümer*innen übergeben. Nun geht´s auch in der näheren Umgebung an´s Fertigstellen.

Die Sokolpromenade zwischen der Grutschgasse und der Zwillinggasse wurde Anfangs dieser Woche asphaltiert – jedenfalls die Zufahrten zur Tiefgarage und zu den Grundstücken. Der Geh- und Radweg in der Mitte wird Anfang November mit einem wasserdurchlässigen Belag („terraway“) überzogen.

Links die Fahrbahn, rechts der Geh- und Radweg.
Auf Höhe der Sokolpromenade gibt´s einen Fahrbahnteiler über die Grutschgasse, der das Überqueren der Straße erleichtern soll.
Von der Sokolpromenade aus in Richtung Osten gesehen ist das Baufeld IV des GZS-Areals, auf dem allerdings voraussichtlich nicht vor 2022 gebaut werden wird. Zur Verbindung von der Sokolpromenade zur Badstraße wird in den nächsten Wochen eine provisorische Geh- und Radverbindung über dieses Grundstück errichtet.

Scheffergasse

Nach jahrelangen „Bemühungen“ und Verhandlungen konnte nun endlich mit dem Bau des Geh- und Radwegs in der Scheffergasse begonnen werden.

Die Scheffergasse wird damit durchgehend von der Höflergasse bis zur Goldenen Stiege zu Fuß begehbar oder mit dem Rad befahrbar sein.

Vom neuen Weg ist noch nichts zu sehen – aber die Arbeiten haben begonnen!

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fairTeiler in Mödling

13.Oktober 2019 in einfach nur schön

Eine großartige Initiative feierte gestern, 12. Oktober ihren 16. Geburtstag: die fairteiler in Mödling.

Eine Privatinitiative brachte und bringt eine Menge an Freiwilligen zusammen, die einmal im Jahr Gewand, Schuhe, aber auch elektronische und Haushaltsgeräte, Bücher, Spiele und und und sammeln und bei einem riesigen Flohmarkt am Schrannenplatz in Mödling anbieten.

Der Erlös – nämlich 100% aller Einnahmen inkl. Spenden – kommt jedes Jahr einem Sozialprojekt zu Gute.

Heuer wurden €4.235,60 eingenommen und an Amber-Med überwiesen. (Es war übrigens das beste Ergebnis der 16 Flohmärkte, bei denen insgesamt mehr als €40.000,- eingenommen und weitergegeben wurden).

Amber-Med ist eine Einrichtung zur ambulant-medizinischen Versorgung, sozialen Beratung und Medikamentenhilfe für Menschen ohne Versicherungsschutz.

Tatsächlich, das gibt es in Östereich: Menschen ohne Krankenschein! Zwar nehmen Spitäler und Ambulanzen Menschen mit akuten medizinischen Problemen (Verletzungen, Schmerzen) auf und kümmern sich um sie, behandeln aber keine z.B. chronischen Leiden und geben keine Medikamente (außer im Rahmen der stationären Behandlung).
Eine stationäre Behandlung wird diesen Patient*innen übrigens in Rechnung gestellt.

Lt. Armutskonferenz sind aktuell rd. 100.000 Menschen in Österreich nicht krankenversichert.

Amber-Med ist eine Einrichtung der Diakonie, dem Sozialverband der evangelischen Kirchen und leistet auf diesem Weg einen Beitrag zur Armutsbekämpfung in Österreich.

Es ist schlimm, dass es Einrichtungen wie Amber-Med bedarf, aber beeindruckend, dass es sie gibt. Der Flohmarkt der fairTeiler in Mödling hat Amber-Med ein kleines Stück weitergeholfen.

Danke allen, die in den vergangenen Tagen in Mödling dabei waren und mitgeholfen haben, dass das großartige Ergebnis zustande gekommen ist!

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Guntramsdorferstraße: fertig!

10.Oktober 2019 in erfreulich, konkret

So fing es an: Pressefoto im am 3. Dezember 2013 mit dem damaligen Vize-Bgm. Robert Weber aus Guntramsdorf

Die Entscheidung und dann vor allem die Planung haben ein paar Jahre gedauert. Der Bau selbst war dann nach 5 Monaten fertig und heute wurde der Tunnel unter der Südbahn im Zug der Guntramsdorfer-/Viaduktstraße offiziell eröffnet.

Als Symbol fuhren Schüler*innen der HTL durch das Eröffnungband (c Willy Kraus)
So hat´s vorher ausgesehen…

Es waren ziemlich umfangreiche und – auch technisch – herausfordernde Arbeiten. Aber der Terminplan wurde beinahe eingehalten.

Danke den Planer*innen und den ausführenden Firmen!

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Baustellen in Mödling: update 7. Oktober

7.Oktober 2019 in interessant

Nachdem nun die größe Baustelle (Brückenkonstruktion bei der Südbahn zwischen Mödling und Guntramsdorf) fertig ist, wird die Anzahl der Baustellen im Straßenbereich langsam kleiner.

Eine Baustelle wurde aber gerade erst begonnen: die Sokol-Promenade. Das ist der Verbindungsweg zwischen der Grutschgasse und der Zwilliggasse.

Von der Grutschgasse aus ist die Sokol-Promenade auch die Zufahrt zur Tiefgarage der Reihenhausanlage am ehemaligen GZS-Gelände.

Im ersten Stück der Sokol-Promenade haben wir lange mit den Planern diskutiert, ob es möglich ist, die 3 Bäume am nördlichen Rand zu erhalten. Ich glaube, wir haben eine gute Lösung gefunden, wenn auch der Gehsteig am südlichen Rand geopfert werden musste. Aber die drei Bäume können stehen bleiben 🙂

Die 3 „geretteten“ Bäume sieht man hier vorschriftsmäßig eingehaust.

Zwischen den Garagenzufahrt und der Zwillinggasse wird es nur einen Geh-/Radweg geben, der zudem mit einem 100% wasserdurchlässigen Belag (terraway) ausgeführt wird. Dadurch bleibt das Regenwasser im Boden und versorgt die Bäume entlang des Weges. Der Belag wird in einem hellen Farbton ausgeführt, der zudem weniger Hitze speichert, als Asphalt.

Hier ist der Beginn des Geh-/Radwegs in Richtung zur Zwillinggasse zu erkennen.


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Baustellen in Mödling: update 1.10.2019

1.Oktober 2019 in interessant

Neusiedlerstraße

Die Baustellen haben eine gefühlte Ewigkeit gedauert, aber jetzt ist alles fertig. Und zuletzt wurden auch die Grünflächen mit Humus, Sträuchern und Bäumen besetzt.

Es wurden genau so viele Bäume gepflanzt, wie möglich (wie bekannt, darf auf verschiedene Leitungen kein Baum gesetzt werden).

Guntramsdorferstraße

Die Brückenkostruktion (vlg. Tunnel) an der Grenze zwischen Guntramsdorf und Mödling ist so gut wie fertig. Jetzt fehlen nur noch Kleinigkeiten (u.a. die Straßenmarkierungen, Verkehrszeichen …).

Die Straße wird / wurde am Mittwoch, 2.10. um 12.00h für den Verkehr frei gegeben.

Blick aus Richtung Mödling
Blick aus Richtung Guntramsdorf

Der neue Geh-/Radweg ist – glaub´ ich – wirklich gut gelungen!

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DANKE!

30.September 2019 in interessant

Das Ergebnis am Sonntag am Abend – ohne Wahlkarten
(die werden aber nur auf Bezirksebene ausgewertet

Danke allen, die mitgearbeitet haben, dass die GRÜNEN dieses großartige Ergebnis erreicht haben – in Österreich und auch in Mödling!

Es ist nicht nur das beste Ergebnis, das die GRÜNEN jemals bei einer NR-Wahl erreicht haben, es ist mit 20,6% auch das beste Ergebnis in Mödling und wir sind erstmals bei einer Nationalratswahl zweitstärkste Partei in unserer Stadt.

In erster Linie muss der Dank Werner Kogler gelten, der nach dem Desaster von 2017 an das GRÜNE Projekt geglaubt hat und – jedenfalls auf Bundesebene – praktisch alleine die GRÜNEN wieder auf die Beine gestellt hat.

Was wir konnten, haben wir versucht, beizutragen.
Und am Wahltag haben wir uns gefreut – und zwar sehr!

Natürlich hat uns die weltweite Klima-Diskussion geholfen (einen Teil des Erfolgs verdanken wir sicher auch Greta). Aber tatsächlich hatten wir nach 2017 praktisch keine Mittel für eine Wahl – weder personell, noch finanziell: während insbesondere die ÖVP, aber auch die anderen Parteien Millionenbeträge in die Wahlauseinandersetzung geworfen haben, konnten die GRÜNEN fast nur auf Spenden zurück greifen.

Ich glaube aber auch, dass wir uns viel an Glaubwürdigkeit zurück geholt haben, die wir 2017 leichtfertig verspielt haben. Wir haben neue Leute, die sachlich kompeten und engagiert sind – und denen die politische Taktik nicht das Wichtigste ist, sondern die Aufgaben, die vor uns liegen.

Erfreulich ist, dass die FPÖ stark verloren hat und – hoffentlich – nicht mehr für eine Regierungsbeteiligung in Frage kommt. Ein Wermutstropfen bleibt, weil die FPÖler sich immer nur selbst schädigen und nicht wegen ihrer Politik abgewählt werden. Aber auf ihre Fähigkeit zur Selbstzerstörung kann man sich wenigstens verlassen…

Der Abstieg der Sozialdemokraten sollte uns GRÜNE kein Anlass zur Freude oder gar Hähme sein: der Niedergang einer starken und erfahrenen demokratischen Partei ist schlecht für die politische Kultur im Land.

Der neue Bundeskanzler Kurz ist in der Darstellung und Rhetorik perfekt und mit einem guten Riecher für das „gesunde Volksempfinden“ gesegnet. Gestaltung und Perspektive kann man sich hingegen von ihm wohl nicht erwarten.

Obwohl er am 29. September ein für ihn fantastisches Ergebnis erreicht hat, ist er im Moment aus meiner Sicht nicht zu beneiden: die vielen Optionen, die ihm theoretisch offen stehen, sehe ich nicht.
Was ihm sicher politisch am liebsten wäre – die Zusammenarbeit mit einer FPÖ ohne die „punktuellen“ Grausligkeiten – wird´s wahrscheinlich nicht spielen. Dazu hat die FPÖ zu viel verloren. Allerdings hat er sich in seinem politischen Profil sehr an die Rechts-Rechten angelehnt und auch in den Vorwahldiskussionen kaum ein Blatt Papier zwischen sich und Hofer erkennen lassen. Das wird nicht so einfach werden, eine Kurve zu kriegen.

SPÖ und GRÜNE hat Kurz mit seiner – offenbar kurzsichtig erfolgreichen – Art, zu polarisieren ziemlich deutlich verärgert. Bei aller Professionalität der Bundespolitiker*innen von grün und rot stell ich mit ein Gesprächsklima mit Kurz ziemlich frostig vor. Außerdem müsste er doch einige substanzielle Zugeständnisse machen und dafür ist Kurz nicht gerade berühmt.

Und wenn er keine Koalition zusammen bringt? Neuwahlen???
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die ÖVP eine weitere Verbesserung ihrer Ergebnisse ausrechnen kann. Wahrscheinlich würden wieder Stimmen zur FPÖ zurück gehen und davon hätte Kurz nichts.

Ich würde tatsächlich darauf wetten, dass Bundeskanzlerin Dr. Bierlein noch ein paar Monate im Amt bleiben wird.

Aber durch die Position der GRÜNEN werden wohl anders als bisher die Herausforderungen durch die Klimakrise auch in Verhandlungen über eine neue Regierung ständig am Tapet bleiben – und das ist gut so. Kurz wird erkennen müssen, dass das Thema vielen, vor allem Jungen wirklich wichtig ist und Wahlen entscheiden kann. Vielleicht werden wir bald einen Schwenk in den Positionen der ÖVP sehen. Zu hoffen wär´s.

Und was bedeutet der 29. September für Mödling? Und im Hinblick auf den 26. Jänner (Gemeinderatswahl)?

Zuerst einmal wohl wenig, weil es eine Bundeswahl war.

Insgesamt gilt aber auch hier, dass der Klimawandel durch den Erfolg der Bundes-GRÜNEN zu einem Thema erster Priorität geworden ist. Und das wird in Zukunft nicht nur in den lokalen Diskussionen und Auseinandersetzungen seinen Niederschlag finden, sondern auch in den Programmen der Parteien.

Und die Frage, wie in Mödling auf die Herausforderungen reagiert werden soll, wird zu einem wichtigen Thema werden. Da wird sich auch die ÖVP ein bissl weiter bewegen (müssen, denk ich): da geht´s tatsächlich um Mobilität und auch um Raumordnung – und nicht nur um Plastiksackerl (so vernünftig die Kampagne gegen Plastikackerl auch ist).

Die SPÖ ist in Mödling erstmals seit 1945 (!) bei einer Bundeswahl nicht zumindest zweite*). Das ist schon eine ziemliche Zäsur. Und da hat ihnen auch die penetrante Demagogie gegen die GRÜNEN nicht geholfen.

Ob das auf das Gesprächsklima und die Formen der Zusammenarbeit Auswirkung hat? Je schwächer die SPÖ ist, desto interessanter ist sie für die ÖVP. Und seit einiger Zeit nimmt die ÖVP ja deutlich sichtbar Rücksicht auf die Genossen. Ein Indiz? Tatsächlich wir haben noch 4 Monate Zeit…

P.S.: wenn Bürgermeister Hintner diesmal ein Nationalratsmandat schafft, gratulier´ ich ihm dazu und wünsch´ ihm viel Glück.

*) Zumeist (11 von 18x) war die SPÖ seit 1945 überhaupt erste in Mödling…

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ZURÜCK ZU DEN GRÜNEN!

25.September 2019 in wichtig !!!

Vor 2 Wochen hat uns Leonore Gewessler, die #2 hinter Werner Kogler auf der Bundesliste in Mödling bei der Wahlwerbung unterstützt: eine Wissende in allen Fragen des Umweltschutzes und der Klimakrise, aber eine Frau ohne Starallüren.

Bei allen Diskussionen rund um die Klimakrise und deren Bewältigung können wir GRÜNE unser Wissen einbringen, das sich seit Jahrzehnten in den Köpfen (und den PCs…) angesammelt hat.

Und wir machen das mit dem Engagement, mit dem wir seit vielen Jahren gegen Atomkraftwerke, gegen Naturzerstörung, gegen falsche Verkehrspolitik, gegen Tierleid und für Nachhaltigkeit und Menschlichkeit streiten.

Konsequentes Einsetzen für die Umwelt und das Klima, ohne Taktieren und „Spielchen“: ich glaube, das ist unser Weg und der ist gut. Für uns, die wir bei den GRÜNEN arbeiten, sowieso.

Das Land und seine Zukunft braucht GRÜNE. Während der vergangenen beiden Jahre haben zwar einige aus der Liste von Peter Pilz versucht, ökologische Themen zu besetzen, aber es war doch durchgehend deutlich, dass das Sprachrohr der Umweltbewegung gefehlt hat.

Gerade jetzt, angesichts der drängenden Fragen zur Bewältigung der Klimakrise ist es unerlässlich, dass eine Partei im Parlament vertreten ist, für die das Klima nicht nur in den Wochen vor der Wahl Priorität hat.

Ich bitte Sie, uns – den GRÜNEN – wieder Ihr Vertrauen zu schenken und Ihre Stimme zu geben.


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Baustelle in Mödling: 22. September 2019

24.September 2019 in interessant

Die größte Baustelle der Stadt ist seit Monaten die Erneuerung des Brückentragwerks im Zug der Landesstraße zwischen Guntramsdorf und Mödling (vlg. „Südbahn-Tunnel“).

Seit Ende Mai wird hier gearbeitet und ich habe den Baufortschritt immer wieder mit Fotos dokumentiert: Ende Juni wurde der Unterbau der Gleise durch ein provisorisches Tragwerk ersetzt, das auf tief in die Erde geschlagenen Stelen lastete. Dadurch konnte „in Ruhe“ am Tunnel unterhalb des Tragwerks gearbeitet werden, ohne den Zugsverkehr beachten zu müssen.

Nun gehen die Arbeiten zu Ende. Der letzte bedeutende Schritt war die Entfernung des provisorischen Brückentragwerks, nachdem der Tunnel selbst fertig gestellt war und der Bahndamm wieder die Gleise zu tragen im Stande war.

Es waren zwei Tragwerke eingebaut gewesen – für jedes Gleis eines. Das letzte am westseitig gelegenen Gleis wurde am 22. September früh morgens entfernt, da für die Arbeiten die Südbahn komplett gesperrt werden musste. Ich hatte mir den Wecker gestellt…

Um 01.30h sollte es losgehen, nachdem der letzte Zug die Baustelle am freien Gleis passiert hat.

Alles war vorbereitet – und ausgeleuchtet. Die beiden Kräne stehen links und rechts vom Tragwerk auf dem Gleis.
…und da war sie, die letzte Schnellbahn vor der Vollsperre am Gleis neben dem mittlerweile von den Schienen befreiten Tragwerk.
Danach kam der Arbeitszug am Nebengleis: das Tragwerk musste nun auf Waggons dieses Zugs gehoben werden.
Es galt, 80t (!) vorsichtig zu heben bewegen.
Mit den beiden riesigen Kränen wurde der Koloss Millimeter für Millimeter angehoben…
…und auf den Waggon gehievt.
Dort musste er ganz exakt eingepasst werden.
Schließlcih konnten die Stahlseile entfernt werden.
Der letzte Schritt war die Entfernung der Aufleger, auf denen das Tragwerk die vergangenen Monate ruhte.
Auch diese beiden Blöcke wurden auf einen Waggon geladen. 

Und das war´s dann: rund 2 1/2 Stunden hat´s gedauert, bis alles verladen war. Tragwerk und Aufleger fuhren in die Betriebsstätte nach St. Pölten, während die Arbeiter sofort begannen, den „normalen“ Gleisunterbau zu errichten.

Bei allen Diskussionen über die ÖBB (Verspätungen, volle Züge, Ausfall von Zügen und noch einiges mehr): ich habe die Arbeit der Ingenieure auf dieser Baustelle schon sehr beeindruckend gefunden und insbesondere des Teams in der Nacht des 22. September unter der Leitung von Dipl.Ing. Anreas Zika, deren Arbeit ich miterleben durfte. Diesen Leuten gehört größter Respekt!

Am Montag war der „normale“ Gleisaufbau schon wieder hergestellt.

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