Allerheiligen beim Kriegerdenkmal: auch ein Arbeitsplatz für GRÜNE

1.November 2010 in gestern & heute, heikel

Rede am Soldatendenkmal

Rede am Soldatendenkmal

Also ein bißl unsicher war ich mir schon: was und vor allem wie sagt man´s als GRÜNER richtig?

Ich hab eine ganze Zeit an der Ansprache bei der Allerheiligenfeier der Stadt als Vize-Bgm. gebastelt.

Natürlich geht´s auch darum, um die hunderten Soldaten zu trauern, die gefallen sind; ich hab aber versucht, die Kurve zu den Opfern der Gewalt ganz generell zu nehmen und da auch die zivilen Opfer, die Verfolgten, die aus Mödling Vertriebenen miteinbezogen. Und letztlich beim Appell in Richtung Frieden den Fokus auch auf die Teile der Welt gerichtet, die halt nicht 65 Jahre Frieden haben.

Letztlich hab ich dann ganz gutes Feed Back bekommen – und bin ziemlich *sehr* froh darüber gewesen…

Übrigens: am 9.11. um 18:00 Uhr gibt´s eine kleine Feier beim Denkmal der Synagoge (Enzersdorferstraße)  zur Erinnerung an das Novemberpogrom. Wen´s interessiert: kommt bitte. (Männer bitte mit Kopfbedeckung).

5 Kommentare Kommentieren

Kommentare

  1. Ich war nicht dabei, daher kann ich mir kein persönliches Urteil darüber erlauben, ob die Ansprache des Herrn Vzgm. dem Anlaß entsprochen hat, oder aber nicht.
    Die Tatsache, daß der Herr Bgm. bei dieser doch wichtigen symbolischen Ehrung – wieder einmal – wie so oft – nicht vertreten war – ist eigentlich – pardon – ein Affront.
    Ein Affront gegenüber den Teilnehmenden – seien es nun die Mitglieder des Gemeinderates – ohne Unterschied der politischen Ausrichtung – ein Affront aber ebenso gegenüber den Vertretern der teilnehmenden Organisationen, wie Feuerwehr, Rettung und Kameradschaftsbund.
    So weit – so schlecht !
    Was die Rede des Herrn Vzgbm. anbelangt, wurde mir berichtet, daß diese maßvoller ausgefallen ist, als man es von einem Grünen in dieser speziellen Situation hat erwarten dürfen und/oder befürchten müssen. Das sei hier positiv angemerkt.
    In diesem ernsten Zusammenhang des “Totengedenkens” sei aber doch auch erwähnt, daß es nach Kriegsende sehr oft zu sehr persönlichen “Abrechnungen” gekommen ist, wo Menschen der Besatzungsmacht und in weiterer Folge dem Tod in den Gulags der Sowjetunion ausgeliefert wurden, die sich wirklich nichts, oder wenigstens nichts Gravierendes zuschulden haben kommen lassen. Oft waren ganz banale Streitereien aus der Vorkriegszeit Ursachen für diese Denunziationen.
    “DU NAZI” – HAT OFT SCHON GENÜGT, EIN MENSCHENLEBEN AUSZULÖSCHEN !!! Ohne Überprüfung allfälliger oder tatsächlicher Verbrechen, ohne rechtsstaatliches Verfahren, wie wir es – selbstverständlich – gewöhnt sind. DU NAZI – ab in die Hölle des stalinistischen Terrorsystems – dem – wissenschaftlich bewiesen – weit mehr – Menschen zum Opfer gefallen sind, als in all den vielen KZs der Nazis zusammen genommen.
    Auch etwas ganz Besonderes sei hier erwähnt, daß der § 144 nämlich – Abtreibung – für einen bestimmten Zeitraum im Jahre 1945 auf Antrag der ÖVP (!!!) – also einer christlich-konservativen Partei – ausser Kraft gesetzt wurde – durch Beschluss der damaligen österr. Bundesregierung, was viele nicht mehr wissen (wollen).
    WARUM ??? Weil es zigtausende Vergewaltigungen österreichischer Frauen durch die Besatzungsarmee – pardon – “unsere Befreier” – gegeben hat.
    Wenn sich eine “christliche” Partei zu einem solchen Schritt entschliesst, dann wird das wohl nicht – aus einer Laune heraus – erfolgt sein.
    Ich kann mir s c h w e r vorstellen, daß diese zehntausenden vergewaltigten Frauen die glorreiche “Sowjetarmee” als “Befreier” empfunden haben.
    Ich kann mir schon andererseits durchaus vorstellen, daß manche Grüne sagen, recht geschah es ihnen – so ist es eben, wenn man verliert.
    Selbstverständlich will ich damit keinerlei Rechtfertigung der Verbrechen des NS-Systems betreiben. Das war furchtbar genug – ABER es muß doch auch wohl erlaubt sein, diese Verbrechen – von russischen Historikern und Historikerinnen mittlerweile wissenschaftlich absolut zweifelsfrei nachgewiesen – denen der NAZIS gegenüberzustellen.
    DER KOMMUNISMUS WAR KEIN “BETRIEBSUNFALL” DER GESCHICHTE – WIE DAS VIELE GRÜNE GERNE SEHEN – ODER SO DARSTELLEN !
    WOBEI millionenfacher Mord der Kommunisten an ihren Gegnern – lang schon passiert ist – bevor es überhaupt zum Krieg Deuschlands gegen die Sowjetunion gekommen ist – auch das ist wissenschaftlich nachweisbar.
    .

    Thommy, 02/11/10 07:13

  2. Auch ich wäre gerne bei der Kranzniederlegung dabei gewesen. Leider hat mir ein falscher Eintrag im Kalender einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich bin aber sicher die Rede des Vizebgms auf dem einen oder anderen Weg zum nachlesen zu bekommen.

    Ich sehe die gefallenen Soldaten und die geschädigten Zivilisten nicht primär als Opfer der sowjetischen Besatzung. Sondern als einen Teil der Millionen Menschen in Europa und der ganzen Welt die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Dass gerade der ebenso grausame Stalinismus zur Befreiung vom Nationalsozialismus beigetragen hat, wird wohl ein Treppenwitz der Geschichte werden über den man nicht lachen kann.

    Die Grünen als Stalin-Kommunisten zu deklarieren ist aber ebenso falsch, wie die aktuelle Asylpolitik von Rot-Schwarz!

    Kolomann, 02/11/10 08:54

  3. Zuerst: danke für den ausführlichen Kommentar.

    Es ist schwer zu diskutieren über Ihre Vorhaltungen. Die GRÜNEN haben eine historische Basis sowohl in der Friedensbewegung als auch in einer antifaschistischen Grundhaltung. Das ist gut so. Und ich ergänze, wenns denn notwendig sein sollte: in einer antidiktatorischen Haltung. (Die deutschen FreundInnen tragen in ihrem Namen nach wie vor die Erinnerung an die Opposition gegen die DDR-Diktatur).

    Weshalb ich mich mit dem Vorwurf auseinandersetzen muss, als GRÜNE den Kommunismus als Betriebsunfall der Geschichte zu sehen, weiß ich eigentlich garnicht. Hier in Österreich waren die Diktaturen die christlichsoziale und dann vor allem die nationalsozialistische. Und mit denen muss sich dieses Land / seine Bevölkerung / seine politische Kultur auseinandersetzen.

    Und – ja – es hat Verbrechen der sowjetischen Besatzer gegen die Zivilbevölkerung gegeben. Ich will jetzt garnicht mit der Argumentation beginnen, was die Soldaten und ihre Familien von den deutschen Soldaten in ihrem Land gesehen haben und das als Begründung für Mord und Vergewaltung hier bei uns strapazieren. Und ich will auch nicht aufrechnen, was die einen und die anderen im jeweils besetzten Land getrieben haben (systematische Ermordung der österreichischen Bevölkerung haben die russischen Soldaten – so weit ich weiß – nicht begangen).

    Nur ein Gedanke: dass die Rote Armee in Österreich war, hat eine Ursache, denk ich. Oder? Nicht einmal die einfältigsten Revisionisten behaupten, dass Deutschland von der Sowjetunion angefriffen worden sei.

    Es gibt eine individuelle Verantwortung – und die bleibt den russischen Soldaten nicht erspart, die sich an der Bevölkerung vergriffen haben. Die politische, militärische und letztlich moralische Verantwortung für alles, was seit 1933 in Europa an Gewalt passierte tragen die Nazionalsozialisten.

    Alles in allem: wer eine Diktatur beschönigt, hat den Anspruch verwirkt, andere Gewaltherrschaften glaubwürdig kritisieren zu dürfen.

    Gerhard, 03/11/10 04:51

  4. ich habe nicht – wie mir eigenartigerweise unterstellt wird – eine Diktatur beschönigt, sondern nur eine Feststellung getroffen, die jeder objektiven historisch-wissenschaftlichen Überprüfung absolut standhält.
    Nämlich, daß es neben der Diktatur des Nationalsozialismus, die 12 Jahre währte und vielen Menschen Leid und Tod gebracht hat, eben auch die Diktatur des Kommunismus gegeben hat, die in der Sowjetunion 72 Jahre, in den meisten osteuropäischen Staaten 40 Jahre angedauert hat.
    Das ist durchaus keine Beschönigung oder Relativierung. Um ein Beispiel aus der Gegenwart hier anzuführen. Durch die jahrelange Blockade und die nachfolgende Invasion des Irak durch US Truppen und ihren willfährigen Verbündeten sind mehr Menschen – vor allem Zivilisten – ums Leben gekommen, als unter der Diktatur Saddam Husseins.
    Deswegen war die Herrschaft Husseins trotzdem eine grausame Diktatur.

    Thommy, 04/11/10 02:52

  5. Na gut. Lassen wir´s dabei.
    Nur um letzten Zweifeln zu begegnen: die Sowjetunion war – leider – eine mörderische Diktatur. (“Leider”, weil der Ansatz ein humanistischer war).

    Gerhard, 04/11/10 03:58

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