Die Neu-Organisation der Buslinien: eigentlich ein Skandal!

25.Dezember 2013 in ärgerlich

IMG_6362

Auch der amputierte 260er wird mit Bussen aus Frankfurt betrieben: das wär´ noch ein Lächeln wert...

Völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit (den betroffenen Gemeinden) hat der VOR den Busverkehr im Süden von Wien neu geordnet und zentral ausgeschrieben. Das war eine riesige Angelegenheit und wurde schon Ende 2012 begonnen; nach x Einsprüchen wurden die Zuschläge gerade noch rechtzeitig vor dem Fahrplanwechsel am 15.12.2013 erteilt (das ist der Grund, weshalb zur Zeit einige Busse mit Frankfurter Autonummern im Bezirk unterwegs sind: einige Busunternehmer haben nicht genug Busse, um die Strecken, die sie “gewonnen” hatten, zu bedienen. Die blauen Busse sind Leihgaben… Immerhin: wir merken, dass wir in Europa leben und das ist ja an sich erfreulich).

IMG_6363Das Verfahren war auch deshalb so aufwändig, weil es um sämtliche Linienkonzessionen geht, die zum Teil seit vielen Jahren im Auftrag unterschiedlicher Auftraggeber unterwegs waren. Nun gibt´s nur noch einen Auftraggeber, den VOR. Als Verkehrsstadtrat hab ich am Rand immer wieder etwas von dem Verfahren mitbekommen, weil sich die Stadt mit dem Citybus an der Ausschreibung beteiligt hat. An sich ist das eh in Ordnung, die Auftragssituation zu klären und die Vergabe transparent zu machen. Für den Mödlinger Citybus war der Effekt auch, dass die Kosten um 10% sinken (wir wissen, dass der Wettbewerb durchaus Vorteile hat). Nebenbei: bis Mitte 2014 werden die alten Busse in Mödling durch neue EURO-6-Gefährte mit Niederflureinstiegen getauscht. Auch das ist erfreulich.

Aber das ist schon das einzige Erfreuliche (OK: im westlichen Wienerwald gibts offenbar ein paar zusätzliche Verbindungen).

Seit 15.12.2013 gelten einige wesentliche Verschlechterungen für die Nutzer der Regionalbusse:

  • Die Linie 260 wurde amputiert: statt nach Hiezing fährt sie nun – gemeinsam mit einigen anderen Linien (!) – zur U6 nach Siebenhirten.
  • Auch die Linie 265 fährt nun statt zum Südtiroler Platz zur U6.
  • Die Linie 259, ein Erfolgsprojekt, wurde zwar zu bestimmten Zeiten dichter, in anderen Zeiten aber ausgedünnt und beginnt erst später als bisher.

Der VOR bringt aber die Umstellungen insgesamt nicht sauber über die Bühne: bei vielen Haltestellen sind nach wie vor falsche Fahrpläne ausgehängt, Fahrgäste berichten von ausgefallenen Kursen usw.

Knapp vor Weihnachten war noch Hiezing als Ziel ausgewiesen (auch das ist eigentlich frech...)

Knapp vor Weihnachten war noch Hietzing als Ziel ausgewiesen (auch das ist eigentlich frech...)

Beide Linien 260 und 265 haben bisher Wohnbereiche mit abgedeckt, die nun völlig unversorgt sind (Rosenhügel bzw. die Wohnbereiche an der B17/Computerstraße). Statt dessen stauen sich die Busse nun in Richtung Siebenhirten. Argumentiert wird, dass die Busse die nächsten hochrangigen ÖV-Knoten anfahren. Ich halte diese “Überlegung” für nicht nachvollziehbar und höchst oberflächlich (vielleicht steht diese Leitlinie in irgend einem Lehrbuch oder Skriptum für Erstsemestrige). Wenn der VOR auch nur ein minimales Interesse an der stärkeren Nutzung Öffentlicher Verkehrsmittel hat (wovon ich leider nicht mehr ausgehen kann), dann muss auch Ziel sein, schlecht erschlossene Gebiete zu erreichen und Querrelationen anzubieten. Die dumme und schematische Zentralisierung erreicht, dass man die Fahrgäste so schnell wie möglich am nächsten großen Übergabepunkt los wird. Dann muss sich die – chronisch überlastete – U6 mit den Leuten abgeben, “aber wir sind sie los”.

Proteste gab´s ständig während der vergangenen WOchen: hier mit LAbg.e Amrita Anzinger (GRÜNE NÖ)

Proteste gab´s ständig während der vergangenen Wochen: hier mit LAbg.e Amrita Anzinger (GRÜNE NÖ)

Und hier mit der Hietzinger Bezirksvorsteherin, Mag.a Silke Kobald

Und hier mit der Hietzinger Bezirksvorsteherin, Mag.a Silke Kobald

Gerade diese beiden Busse hatten aber bis zum 15.12. eine ganz spezielle Aufgabe – als Zubringer zu Schulen und dabei besonders zur HTL. Gerade die HTL hat ein großes Einzugsgebiet und entsprechend groß ist die Empörung: auch Direktion und Elternverein der HTL haben massiv gegen die Verschlechterung protestiert. Bis heute umsonst. So wie auch die 2.600 Unterschriften von Fahrgästen des 260ers, die dem VOR und der zuständigen Wiener Vizebürgermeisterin Renate Brauner übergeben wurden.

(Zum Medienecho: s. Artikel im Standard am 28.12.2013).

Ich halte auch das Vorgehen des VOR für unverantwortlich: nur durch Zufall wurden die Pläne schon vor der Veröffentlichung am 23.10. publik. Der VOR hat mit keiner Gemeinde / Bezirksvertretung Kontakt gesucht, sondern hat versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen. Das soll die Offensive für den Öffentlichen Verkehr sein?

P.S.: ich persönlich glaub´, dass der 260 geopfert wurde, weil er oft in der Maxinggasse im Stau gestanden ist und den Fahrplan nicht einhalten konnte. Da ist die Einstellung natürlich eine einfache Lösung … :-(

Ein Bild für die ÖV-Chronik?

Ein Bild für die ÖV-Chronik?

Dabei war der 260er auch schon in der Vergangenheit Opfer von Reduktionen: die durchgehende Linie zwischen Hietizng und Mödling wurde schon vor Jahren an Wochenenden eingestellt und auch die Tagesrandkurse wurden deutlich reduziert.Sprich: das Service wurde deutlich verschlechtert!

Die Forderungen der Initiativen für den 260er sind:

  • Schüler-Busse 260 zwischen Hietzing und Mödling in der Früh, zu Mittag und am Abend, damit zumindest die Schulen an der Strecke bedient werden
  • Konzept zur baldigen wieder Einrichtung des echten 260ers Hietzing – Mödling (hatte ca. 1000 Fahrgäste am Tag) und bessere Intervalle – 15 Minuten Takt.
  • Bessere Fahrpläne auch am Wochenende und ausweiten der Fahrten über 20 Uhr hinaus.

Ein Kommentar Kommentieren

Kommentare

  1. Vielen Dank für Ihren Artikel und Ihre Forderungen!!
    Ich glaube auch, dass das Problem die Maxinggasse ist und die Linie einfach “eingespart” wurde.
    Meine Tochter geht seit September ins SRG Maria Enzersdorf, wir haben die Schule auch gewählt, weil wir nicht wussten, dass die Linie tatsächlich geändert wird.
    Wir hofften bis zum Schluss, dass wenigstens für die Schüler die Busse weiterhin so fahren.
    Beste Grüsse
    D.Zlabinger
    1230 Wien, Rosenhügel

    Doris Zlabinger, 09/01/14 12:46

Kommentar hinterlassen