gerettete Pappel

22.Juni 2018 in interessant, konkret

Es gibt immer wieder Klagen, dass (alte) Bäume im Stadtgebiet gefällt werden; und zwar nicht nur auf privaten Gründen (dort kann man in Niederösterreich fast nichts dagegen unternehmen), sondern auch auf öffentlichen Flächen.

Das stimmt und es tut jedes Mal weh. Wir suchen in jedem Fall nach Alternativen, aber es gibt Vorhaben, die sich mit einem bestehenden Baum einfach nicht vertragen (wie zB jetzt gerade am Fliegenspitz). Und natürlich: auch wenn mehr neue Bäume an Stelle der gefällten alten gesetzt werden – es dauert wieder viele Jahre, bis sie groß sind und wieder Schatten und Sauerstoff bringen.

Jetzt will ich aber von einem Erfolg im Ringen um einen Baum erzählen – der Pappel am Freiheitsplatz. Und damit gleichzeitig von einer drohenden Baumfällung, von der kaum jemand in unserer Stadt gewusst hat.

In den vergangenen Jahren gab es ein paar Unfälle am Schutzweg zwischen Freiheitsplatz und Herzoggasse: leider wurden Menschen dort von Autos angefahren und kamen zu Schaden. Aber jeder Unfall mit Personenschaden wird in Österreich dokumentiert. Und das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) erstellt aus diesen Daten regelmäßig Dokumentationen von Gefahrenpunkten. Die Gemeinden werden dann aufgefordert, die Ursachen der Gefährdung(en) zu beseitigen. So weit so (sehr) gut.

Bei den Unfällen am besagten Schutzweg gab es in einigen Einvernahmen der Beschuldigten die Aussage, dass man den/die Passanten nicht rechtzeitig gesehen hätte, weil der Baum im Weg steht. Nun ist es nicht erforderlich, dass eine solche Aussage zwingend nachvollziehbar ist – der Baum war einmal als „Ursache“ aktenkundig und damit waren die weiteren Schritte vorgezeichnet: Auftrag der BH Mödling an die Stadtgemeinde Mödling, den Baum zu entfernen.

Üblicherweise kommt man einer solchen Aufforderung rasch nach, denn wenn nicht und wenn wieder ein Unfall passiert und der Eindruck entsteht, dass die Ursache nach wie vor die selbe ist und der Unfall vermieden hätte werden können, wenn der behördlichen Aufforderung nachgekommen worden wäre – dann schaut das für die Gemeinde nicht gut aus (und kann zum Shadenersatz und für den Bürgermeister auch in Richtung Amtsmissbrauch gehen). Das ist also ziemlich heikel.

Dennoch: ich wollte nichts unversucht lassen, diese massive Pappel, die noch dazu vom städtischen Gärtner als völlig gesund eingestuft wurde, zu retten. Es gibt in diesem Teil der Stadt ohnehin wenig grün und gerade dieser Baum ist für das Ensemble am Freiheitsplatz prägend (und verdeckt zudem den Blick auf ein hässliches Hochhaus in der Nähe). Es gibt also einige gewichtige Gründe, den Baum nicht so ohne weiteres zu opfern.

Wir haben mit einem unserer Verkehrsplaner viele Ideen verfolgt, wie zB die Straße in Richtung Herzoggasse verschoben werden könnte, sodass die Sicht auf Fußgänger, die vom Freiheitsplatz kommen, besser wird. Und bevor jemand „aufdeckt“, was das gekostet hat: es waren schon ein paar Tausender, die  in das Unternehmen „Rettung der Pappel & Sicherheit am Schutzweg“ geflossen sind. Alle diese Überlegungen waren aber letztlich nicht erfolgreich: immer hat irgend etwas doch nicht gepasst.

Die Lösung war letztlich relativ einfach: für die B12 wurde im Abschnitt von der Lerchengasse bis zur Badstraße Tempo 30 verordnet. Damit ändern sich die errechneten Sichtwinkel so weit, dass PassantInnen auch im ungünstigsten Fall rechtzeitig erkannt werden können. Diese Maßnahme musste jetzt „nur“ noch den Sachverständigen schmackhaft gemacht werden und dazu brauchte es wiederum Geschwindigkeitsmessungen, die während der vergangenen Monate durchgeführt wurden.

Vor ein paar Tagen gab es nun eine Verkehrsverhandlung, bei der die Geschwindigkeitsreduktion in diesem Abschnitt der B11 beschlossen wurde. Die Tafeln werden in den nächsten Wochen aufgestellt und dann ist die Gefahr für Pappel und PassantInnen erst einmal gebannt.

Bleibt die Hoffnung, dass sich die Autofahrer an die neue Geschwindigkeits-Vorgabe halten…

Ich freu mich, dass die Pappel am Freiheitsplatz weiter leben kann und dass eine Lösung gefunden wurde, wie auch den Anforderungen der Sicherheit Genüge getan werden konnte. Manchmal hat man mit Beharrlichkeit auch Erfolg…

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