13.Juni 2010 in gestern & heute

mit Tina Walzer, GR Marco Schreuder und Ruth Fuchs
Der alte jüdische Friedhof von Wien war in Währing und er bestand bis zum Bau des Zentralfriedhofs.
1784 eröffnet, wurde er bis in die 80er-Jahre des vorletzten Jahrhunderts genutzt. Von den Nazis zum Teil zerstört, gammelte der Rest seit 1945 vor sich hin: abgesperrt und zwischen hohen Mauern. (Aber ganz nah beim Gürtel – ein wirklich ruhiger Platz ist er also nicht).
Der jüdische Friedhof Währing ist aber auch ein zufällig entstandenes und ganz eigenes Biotop: die Gräber sind über und über von Pflanzen überdeckt – niemand hat sich 60 Jahre dieses Friedhofs angenommen. Und immer noch streiten Stadt Wien und Bund um die Kosten der Renovierung – obwohl sich die Republik im Washingtoner Abkommen 2001 zur Sanierung aller jüdischen Friedhöfe in Österreich verpflichtet hat.
Seit Jahren kümmert sich eine Wiener Historikerin, Tina Walzer mit Akribie um diesen Friedhof. Unterstützung bekommt sie von der Kultusgemeinde – und (massiv) von den GRÜNEN, die auch immer wieder Führungen durch den Friedhof organisieren, der an sich nicht öffentlich zugänglich ist. Und die GRÜNEN laden auch öfters Freund- und InteressentInnen ein, freiwillig Teile des Friedhofs freizulegen – so auch heute. Es war ganz schön heiss und wegen der vielen Schnecken auch ein bißl grauslig manchmal. Aber die 60 Leute haben einen erstaunlichen Teil vom Bewuchs befreit…
Infos zum Währinger Friedhof unter: http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdischer_Friedhof_W%C3%A4hring und http://www.waehringer-friedhof.at/
4.Juni 2010 in gestern & heute

Geballte Prominenz vor der Othmar-Kirche
Das, was mit einigen Gruppenfotos dokumentiert wurde, ist ein historisch bedeutendes Ereignis:
Der evangelische Kirchentag 2010 wurde mit einem Gottesdienst in der St. Othmarkirche begangen.
Ich hab in Geschichtsbüchern nachgeschaut und mit einigen Wissenden geredet: der letzte protestantische Gottesdienst in St. Othmar vor dem gestrigen wird wohl irgendwann im Frühherbst 1529 stattgefunden haben (bevor die Kirche von den Soldaten Kassim Begs während der ersten Türkenbelagerung zerstört wurde. Wiederhergestellt wurde die Kirche erst im Zug der Gegenreformation; in der Zwischenzeit wurden die – evangelischen – Gottesdienste in der Spitalskirche abgehalten). Es war also ein durchaus bemerkenswertes Ereignis am gestrigen 3. Juni 2010.
P.S.: auch durch die unmittelbar nach dem Gottesdienst im Karner vis-a-vis mit sehr anspruchsvollen Reden eröffnete Ausstellung dreier Werke von Hermann Nitsch zeigte sich Mödling von seiner offenen, anspruchsvollen und toleranten Seite. Ein eindrucksvoller Tag…
27.Mai 2010 in gestern & heute

Mauerreste
Heute muss man sie suchen – die Reste der Berliner Mauer. Sie stehen nur mehr als einzelne Relikte in dem einen oder anderen Park.
Also: es hat mich schon berührt, diese Spuren zu sehen. Gerade, wenn man früher Distanz zur Polemik gegen die “DDR” gehabt hat. Und auch wenn man immer noch nicht alles aus der DDR als unsinnig ablehnt (haben wir uns im Westen nicht über die angeblich gigantische Verschuldung der RGW-Länder lustig gemacht? Dass die nicht wirtschaften können und ihre Volkswirtschaften an die Wand fahren? Heute sind die ehem. “sozialistischen” Länder der EU sämtlich die Schlußlichter in der Verschuldungsstatistik – also die am bei weitem wenigst verschuldeten); also gerade dann: das Leben hinter der Mauer. Wie muss das gewesen sein? Wie ist eine Politik aufgestellt, die meint, ihre BürgerInnen einsperren zu können / zu dürfen? OKOK: es gibt auch hier Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Aber das sind unsichtbare Barrieren. Den Menschen aber eine Mauer vor die Nase zu stellen und zu hoffen, dass man damit über Jahrzehnte durchkommt. Unglaublich! Andererseits: 28 Jahre hat´s die Mauer gegeben. Also funktioniert das doch – zumindest eine gewisse Zeit.
Sehr, sehr irritierend. Nach wie vor.
3.April 2010 in gestern & heute

Schon ´was Besonderes...
Es war eigentlich ein Zufall, dass wir ihn – endlich einmal – gefunden haben: wir waren in Schwechat und wollten noch ein bißl an der Donau entlang spazieren gehen. Das Navi (!) hat uns darauf hingewiesen, dass der Friedhof der Namenlosen ganz in der Nähe war. Ich hatte schon viel gelesen von diesem “Platz”, war aber noch nie dort.
Also haben wir ihn am Ostersamstag gefunden…
Der Friedhof ist sehr klein – aber gehegt und gepflegt – auch die Gräber sind zum Teil geschmückt. Er beinhaltet die Gräber der zwischen 1900 und 1935 in der Gegend gefundenen Toten. (Seither werden die unbekannten Toten – glaub ich – am Zentralfriedhof begraben). Die Toten von vor 1900 wurden vis-a-vis in einem Massengrab bestattet. Da steht nur ein Kreuz auf der Wiese…
Dieser Friedhof ist ein recht berührender Ort. Komisch. Es ist offenbar etwas anderes, wenn man über einen Friedhof geht, wo auf allen Gräbern Namen stehen oder dieser, wo die Gräber – jedenfalls die meisten – keine Namen haben. Obwohl es doch eigentlich egal wäre. Ist es aber irgendwie doch nicht. Auch, wenn man nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt: im Namen lebt man irgendwie weiter.