Abschied vom Gemeinderat

23.August 2020 in gestern & heute, GRÜN, persönlich

Vor zwei Tagen habe ich mein Mandat im Mödlinger Gemeinderat zurückgelegt. Ich war ohne Unterbrechung 25 Jahre Mitglied des Mödlinger Stadtparlaments (in Summe sogar 27 Jahre), davon 10 Jahre als Vizebürgermeister.

Wir hatten ja einen großen Erfolg bei der Wahl im Jänner und waren so stark wie nie. Trotzdem (wohl eher: deshalb) haben die beiden Wahlverlierer ÖVP+SPÖ die neue Stadtkoalition gebildet und uns GRÜNEN keinen wesentlichen Gestaltungsspielraum mehr zugestanden.

Das ist dann doch so etwas wie eine Zäsur und eine gute Gelegenheit, den – ohnehin angedachten – Generationswechsel zu vollziehen.

Aber ja: es ist schon ein Einschnitt. Tatsächlich hat sich fast die Hälfte meines bisherigen Lebens um das politische Geschehen in meiner Stadt gereht. Ich bin (war) es gewohnt, jeden kaputten Mistkübel in der Stadt wahrzunehmen – und dem zuständigen Beamten weiter zu melden. (Das ist ein bissl eine Sucht und ist mir auch in Berlin oder anderswo so gegangen: eine kurze Sekunde lang zu denken, wer einen Übelstand beheben könnte, auch wenn man ganz wo anders ist.)

Es ist schon eine Menge passiert in den Jahren (irgendwann – „in der Pension“ – mach ich einmal eine Ausstellung über 30 Jahre Mödlinger Politik): 1990 hat sich ein Haufen von Leuten gefunden, die sich bis dahin nur indirekt gekannt hatten – über die AKW-Bewegung, Uni-Politik, SJ oder was immer – und als „GRÜNE Alternative – Bürgerinitiative Gemeinderat“ – kandidiert. Trotz minimaler Vorbereitung waren wir sicher, einen großen Erfolg feiern zu dürfen (wir hatten damals noch wenig Ahnung von den Mühen der Ebene der Politik). Aber es wurde grad einmal ein Mandat. Und zufälligerweise (wirklich, das war Zufall) war ich Nummer 1 auf der Liste und damit als einziger dieses bunten Haufens im Gemeinderat. Wir waren und ich war so unvorbereitet, dass ich am Tag der konstituierenden Sitzung zuerst den Sitzungssaal und damit meinen Platz im Statdparlament finden musste.

1995 gründeten wir dann die GRÜNEN Mödling als eigenständige Partei, die wir nach wie vor sind; anders als viele Gruppen, die sich der Einfachheit halber als Teilorganisationen der Landespartei konstituiert haben.

Wir haben uns damals natürlich auch schon mit dem Verkehr beschäftigt, uns aber z.B. konkret auch für die Mülltrennung eingesetzt (das war damals noch nicht „gegessen“!). Es gab nicht viel, mit dem wir uns tatsächlich durchgesetzt haben, obwohl der damalige Bürgermeister uns eigentlich immer fair behandelt – aber halt natürlich nicht ernst genommen hat.

Einen bis heute sichtbar bleibenden Effekt hatte unser Antrag vom Oktober 1996 auf Errichtung von Stiegenabgängen von der Bahnbrücke zu den Bahnsteigen. Die wurden dann relativ bald gebaut – und sind heute nicht mehr wegzudenken.

Aber auch als GRÜNE Gruppe ist´s von 1995 immer stufenweise aufwärts gegangen. 2000 hatten wir den ersten (Umwelt-)Stadtrat – Alfred Trötzmüller. Und 2010 waren wir dann so stark, dass wir mit der ÖVP eine Koalition gebildet haben.

Dazwischen lagen viele Vorhaben, manche erfolgreich, aber auch manch leere Kilometer. Viele Kolleg*innen, die mit uns ein Stück des Weges gegangen sind. Aber nicht nur Wahlerfolge haben wir gesammelt, sondern vor allem auch Erfahrung. Und wenn wir Verantwortung übernommen haben, gab es dort bis heute nie (!) irgendeinen Skandal, irgendeine auch nur Vermutung, dass unsauber vorgegangen wurde, keinen Rechnungshofbericht über eines der GRÜNEN Projekte in der Stadt. Und – was für ÖVP und SPÖ undenkbar ist: auch in den 10 Jahren, in denen wir in der Stadt „am Ruder“ waren, wurde kein einziges Parteimitglied auf irgend einen Posten der Stadt gehievt. (Heute sind 4 der 6 Abteilungsleiter Funktionsträger- oder zumindest Kandidat*innen der ÖVP, aber auch zwei Gemeinderäte der SPÖ sind Mitarbeiter der Stadt.)

Rückblickend bin ich schon ein bissl stolz auf die Arbeit in diesen Jahren: Ich glaub´ wir haben viel in der Stadt gestaltet, zum Besseren entwickelt, wir haben zunehmend Vertrauen der Menschen gewonnen und wir haben – gerade in den letzten Jahren – mit Ideen und Umsetzungen im Kreis der Städte in Österreich – aufgezeigt und Mödling in manchen Belangen einen guten Ruf verschafft. Das gilt sowohl im Bereich der Stadtplanung, als auch bei Fragen der Mobilität, Energie, Umwelttechnik. Mödling begann, für fortschrittliche, interessante Lösungen bekannt zu werden.

Aber Mödling war auch die erste Stadt in Österreich, in der für Opfer des Nationalsozialismus „Stolpersteine“ verlegt wurden. Auch darauf bin ich stolz.

Ich werd´ nächstes Jahr 70. Damit wäre ich in China reif für die Jugendorganisation der KP :-), aber das ist in Wirklichkeit schon ein Alter, in dem man ernsthaft darüber nachdenken sollte, Jüngeren nicht den Platz zu verstellen.

Es gibt bei den GRÜNEN Mödling eine große Zahl von g´scheiten, professionellen und ambitionierten Kolleg*innen, die mich optimal vertreten werden.

Ich selbst bleib´ noch Sprecher der Mödlinger Partei und wurde überdies erst vor kurzem zum Sprecher der Bezirks-GRÜNEN gewählt. Und darüber hinaus bemüh´ ich mich, den Vorstand des Weltladens und der NÖ Radlobby zu unterstützen. Und wahrscheinlich wird mir noch etwas einfallen…

Interview in der GRÜNEN Stadt

Bei der Verlegung des ersten Solpersteins 2006

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Noch einmal: Willkürliche Sperren

17.Mai 2020 in ärgerlich, gestern & heute

Hier der Parkplatz Meiereiwiese: Sperre einer Hälfte des Parkplatzes

Wir alle hoffen ja, dass die heikelste Phase der Corona-Pandemie vorbei ist. Und dass auch die skurrilsten Maßnahmen damit Geschichte sein werden: die Sperren der Bundesgärten in Wien – und die Behinderungen für Erholungssuchende aus Wien zum Beispiel durch den Mödlinger Bürgermeister.

Bei der Gemeinderatssitzung am 15. Mai habe ich die folgende Anfrage an den Bürgermeister gestellt:

„Seit Beginn der Pandemie wurden / werden auf Veranlassung des Bürgermeisters Teile der Parkplätze am Rand der Erholungsgebiete des Naturparks Föhrenberge – soweit sie auf Mödlinger Stadtgebiet liegen – für PKWs gesperrt.

Über die Motivation für diese Verfügung kann nur spekuliert werden, weil keine rechtliche Begründung vorliegt. In den sozialen Medien hat der Bürgermeister jedoch deutlich gemacht, was die Intention ist: sie gilt „ganz besonders für die Wiener, die in Scharen und Gruppen unseren Mödlinger Wald heimsuchen…so geht es nicht…“.

Nun kann man unterschiedlicher Meinung sein, was die Notwendigkeit von Solidarität gerade in Zeiten einer Krise betrifft: manche meinen, dass gerade Herausforderungen gemeinsames Handeln verlangen; manche meinen, dass man sich bei Unsicherheit möglichst abschotten und abgrenzen soll.

Konkret geht es aber nicht nur um die grundsätzliche gesellschaftliche Orientierung, bei dem konkreten Anlass, Menschen aus der Großstadt die selbstverständliche Möglichkeit des Aufenthalts in der Natur zu ermöglichen, zumal es im dichtverbauten Gebiet von Wien offenbar zu wenig Flächen zu Erholung gibt.

Gerade beim Mödlinger Stadtwald liegt jedoch auch eine vertragliche Verpflichtung der Stadtgemeinde Mödling gegenüber der Stadt Wien aus Anlass der Schenkung des Stadtwalds 1958 vor, diesen Wald den Wiener*innen als Erholungsgebiet zu erhalten (s. Sondernummer der Stadtnachrichten „Der Mödlinger Stadtwald“, 2019).

Fragen:

  1. Wurden durch den Bürgermeister entsprechende Verordnungen zu den Sperren der Parkplätze entlang der Erholungsgebiete erlassen?
  2. Gibt es eine Veranlassung seitens der Bundes- oder der Landesregierung, die die Einschränkung des Spazierengehens in Wäldern fordert oder zumindest nahe legt und welche die rechtliche Grundlage für die Maßnahmen sein könnte?
  3. Hat der Bürgermeister für die Veranlassung Rücksprache mit Stellen des Landes oder des Bundes gehalten? Gab es irgendeine Form der Abstimmung in den Gremien der Stadt?
  4. Ist dem Bürgermeister die Verpflichtung der Stadt Mödling gegenüber der Stadt Wien bekannt, den Wald den Wiener*innen zugänglich zu halten?
  5. Wie steht der Bürgermeister zu der Notwendigkeit, in der Metropolenregion gemeinsam und in gegenseitiger Wertschätzung Lösungen für anstehende Probleme zu suchen?
  6. Hält der Bürgermeister Gehässigkeiten, das Pflegen von Ressentiments und Lokalchauvinismus gegenüber „nicht-Mödlinger*innen“ in Wort und Tat für zielführend, um Herausforderungen zu meistern, die alle uns betreffen?“
Kopie aus dem Buch „Mödling, Landschaft – Kultur – Wirtschaft“, Mödling 1975. Seite 203.

Die Antwort des Bürgermeisters war für mich dürftig: er habe ein Problem in der großen Anzahl von Spaziergänger*innen erkannt und als Seuchenbehörde gehandelt. Im Wald selbst sei nie etwas abgesperrt gewesen und im übrigen hätte man gut auch vom Babenberger-Parkplatz aus in den Naturpark gehen können. Ganz allgemein schätze er Wien als eine der schönsten Städte der Welt…

Ich finde die Maßnahme immer noch eine bewußte Gehässigkeit und Ausdruck von Lokalchauvinismus, der in einer Krise, wie der aktuellen nichts verloren hat.

Aber so unterscheiden sich Einstellungen…

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Gedenken an das Novemberpogrom

10.November 2019 in dramatisch, gestern & heute, persönlich

Am Abend des 9. November fanden sich Verantwortliche der Stadt und viele Bürger*innen, darunter eine größere Gruppe von Konfirmant*innen der evangelischen Pfarre beim Denkmal der ehemaligen Synagoge zu einem Gedenken ein.

c Willy Kraus
Neben mir StR Schimanova, GR Wildeis, GR.in Mayer, GR.in Drechsler, Alt-Bürgermeister Burg
c Willy Kraus

Hier mein Beitrag:

Bürger*innen – wir – treffen sich jedes Jahr am selben Tag – heute – im Gedenken an den 9. November 1938. Heute vor 81 Jahren brannte die Synagoge auch in Mödling als Symbol jüdischen Lebens auch in dieser Stadt.

Die Führung der Nazi-Partei inszenierte das Novemberpogrom als Test für die Bevölkerung: wie weit sie das Drangsalieren / Bestehlen der jüdischen Nachbarn mit zu tragen bereit und sogar für mehr „zu haben“ ist, für die Vernichtung / Ermordung der Juden im Land.

Wir müssen mit Scham erkennen, dass große Teile der Bevölkerung – auch in unserer Stadt – diesen Test mit Bravour bestanden haben: die Synagoge brannte unter Johlen + Klatschen von Menschen, unseren Ur-Großeltern.

Wenn wir uns in den vergangenen Jahren hier beim 2003 errichteten Denkmal für die Synagoge trafen, so taten wir das immer in der Verpflichtung der Erinnerung an die Opfer, uns unserer Geschichte stellen müssen, uns an die unfassbaren Verbrechen erinnern zu müssen, die vor 3 Generationen auch hier an dieser Stelle an Mitmenschen begangen wurden.

Wir schlossen immer wieder mit dem Appell „NIEMALS WIEDER“. Aber seien wir ehrlich: wir taten das mit einem Gefühl, wie „ja eh“. Natürlich. Aber mit dem Gefühl: das Kapitel ist geschlossen.

Heute müssen wir fassungslos erkennen, dass der Antisemitismus wieder eine aktuelle und reale Bedrohung darstellt: Anschläge in Halle, in Pittsburgh, in Frankreich gegen Jüdinnen und Juden; immer dreisterer Hass im Netz. In unserem Land singen erwachsene – und meist akademisch gebildete Männer – Lieder zum Lob für Adolf Hitler und mit Schmähungen und Verhöhnungen gegen „die Juden“ und bleiben im Amt und Würden.

Das „World Jewish Council“ hat unlängst eine Studie veröffentlicht, nach der 27% der Deutschen für Antisemitismus empfänglich sind. Und das wird bei uns bestensfalls nicht anders sein.

Wir müssen erkennen, dass der Antisemitismus nie weg war – er war nur aus schlechtem Gewissen versteckt. Und dieses Gewissen scheint zu verschwinden. In einer Zeit, in der es nicht allen Menschen gut geht, aber doch unvergleichlich besser als in den 30er-Jahren. Der Gedanke, was wäre, wenn heute in Deutschland – wie 1932 – 5,6 Mio. arbeitslos wären und die noch dazu zum großen Teil ausgesteuert, lässt einen erschrecken.

Ich muss gestehen, mich machen diese Entwicklungen fassungslos. Ich bin aufgewachsen und habe bisher gelebt in dem festen Glauben, dass die Verbrechen in der Zeit des NSso ungeheuerlich waren und das Wissen darüber so allgegenwärtig, dass sich diese Form von Denken für immer selbst disqualifiziert hat.

Ich glaube, wir müssen uns darüber klar werden, dass wir an Tagen wie dem 9. November nicht nur über Geschichte reden, sondern dass es HEUTE wieder um die Art und Weise des Zusammenlebens in unserem / unseren Ländern geht. Wir brauchen Mut und Konsequenz. Und wir brauchen sie „rechtzeitig“ (VdB). Wir sind gefordert, antisemitischem Denken und Reden überall entgegen zu treten. Im Wirtshaus, wenn im Suff „Treue als Ehre“ gepriesen wird – so lange man für eine Kritik nur eine blöde Antwort zu gewärtigen hat. Auch auf der politischen Ebene: bitte versucht nicht, mit solchen Leuten einen Teil des Weges gemeinsam zu gehen.

Ich versuch den Appell wieder mit einer aktuellen Betonung: „NIEMALS WIEDER!“

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80 Jahre danach

1.September 2019 in gestern & heute

Krieg ist ein Verbrechen!

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Traum von Geschwindigkeit und Unabhängigkeit - das Fahrrad

24.Februar 2019 in gestern & heute, interessant

„bike-around“ um 1900 (c Walter Ulreich)

Vom 22. Februar bis zum 30. Juni ist im Museum Mödling am Deutschplatz eine Ausstellung zur Geschichte des Radfahrens – speziell in unserer Region – zu sehen.

Das Fahrrad: vor 150 Jahren wichtiges Mittel der Frauenemanzipation
(c Walter Ulreich)

Die Ausstellung kuratiert hat der Hinterbrühler Walter Ulreich, ein hochdekorierter Radhistoriker (für seine Bücher zur Geschichte des Radfahrens hat er 2017 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik bekommen).
Zu sehen sind einige – auch sehr alte – Fahrräder und Komponenten, vor allem aber viel über Radfahren in Mödling, über Radfahrvereine und auch über die Mödlinger Radrennbahn, die vor gut 130 Jahren am Gelände der heutigen Fleischmanngründe stand und die Massen anzog.

Ein ganz besonderer Aspekt ist aber auch den Rad fahrende Frauen gewidmet: vor dem Beginn des motorisierten Zeitalters und der Selbstverständlichkeit, dass auch Frauen mit dem Auto fahren, war das Rad ganz besonders wichtig für die Mobilität von Frauen. Entsprechend wurden Frauen am Rad von der konservativen (männerdominierten) Umgebung belächelt bis angefeindet. (Und auch medizinische „Argumente“ gegen das Radfahren von Frauen waren schnell geschrieben.)
Übrigens: in den rückschrittlichsten Teilen der arabischen Welt ist das Fahrrad auch heute (noch) ein Element der Frauenemanzipation…

Es ist interessant, sich mit einer Zeit auseinanderzusetzen, in der das Fahrrad wichtiger Träger der Mobilität der Menschen war: entsprechend nah lagen Wohnen / Arbeit / Versorgung beisammen; die Zersiedelung kam erst mit dem Auto…

Auch für aktuelle Radweg-Vorhaben der Stadt ist Platz in der Ausstellung

Und weil beim Thema Radfahren oft Vergleiche mit Amsterdam oder Kopenhagen angestellt werden: in den 50er-Jahren hatte Wien bezüglich des Radfahrens den gleichen Modal-Split-Anteil wie Amsterdam: weit über 50% der Wege wurden mit dem Rad zurück gelegt. (Kaum zu glauben).

Ein Bahnrad aus den Zwanzigerjahren

Es ist eine sehr interessante Ausstellung im Museum der Stadt Mödling und wert, sich – mit dem Rad (!) – auf den Weg zu machen!

Das Museum hat geöffnet von MO bis DO, 9.00 – 13.00h, am SA von 10.00 – 14.00h und am SO (+Feiertag) von 14.00 – 18.00h.
(Am Karfreitag weiß ich nicht, was gilt…).

(c Walter Ulreich)

Und ganz speziell:
Für uns GRÜNE gibt´s eine Spezial-Führung am SA., 27. April um 9:30 h. Wer sich an dem Tag von Walter Ulreich durch die Ausstellung führen lassen möchte, ist herzlich eingeladen.

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Gedenkwoche 2018 in Mödling

11.November 2018 in gestern & heute, interessant

In den Tagen vor dem 9. November gab es in Mödling eine Reihe von Veranstaltungen, mit denen aus Anlass der 80-jähigen Wiederkehr des Novemberpogroms der Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung gedacht wurde.

Am 9. November selbst gab es eine Mahnwache vor dem Denkmal für die zerstörte Synagoge mit einer großen Zahl von TeilnehmerInnen, unter anderen auch eine Gruppe von Jugendlichen der evangelischen Pfarrgemeinde.

Kranzniederlegung bei der Mahnwache am Abend des 9. Novembers am Denkmal der Synagoge (mit StR Stephan Schimanowa, Ruth Fuchs, BM Hans Stefan Hintner, LAbg. Hannes Wenninger, BM a.D. Werner Burg und GR.in Eva Maier; c Willy Kraus)

Nach der Mahnwache fand der Festakt für die Gedenkwoche im Stadttheater statt.

Vor dem Festakt mit GR Markus Wildeis, BM Hans Stefan Hintner, Intendant Bruno Max, Chris Demateé und StR Stephan Schimanowa (c Willy Kraus)

Beim Festakt haben GR.in Silvia Drechsler, StR Stephan Schimanova, ich selbst und zuletzt BM Hans Stefan Hintner gespochen.

Hier meine Rede beim Festakt:

Die Befassung und Aufarbeitung mit der NS-Gewaltherrschaft in Österreich und deren Folgen waren lange geprägt von Beschönigen / Ausflüchten / Verdrängungen.
Abgesehen vom privaten / familiären Bereich (die Auseinandersetzungen über die Rolle der Väter während der NS-Zeit haben eine ganze Generation geprägt).
Im öffentlichen Diskurs ist die kritische Beschäftigung mit der Nazi-Herrschaft erst Mitte der 80er-Jahre angekommen: anlässlich der BP-Wahl von Kurt Waldheim 1986. Es dauerte dann noch bis zum 8.7.1991, als BK Vranitzky im NR seine berühmte Rede gegen die Opferthese hielt. 1993 wiederholte er das Bekenntnis zur Mitschuld Österreichs an der Shoa in Jerusalem in einer Rede an der Uni und im Nov. 1994 dann auch BP Klestil vor der Knesset mit der Bitte um Vergebung.
Seither ist die Rolle Österreichs und der ÖsterreicherInnen an den Nazi-Verbrechen in der politischen Kultur des Landes unbestritten.
In unserer Stadt war es auch lange still beim Thema Nazis in Mödling. Die Synagoge wurde immer mehr überwuchert und nur Eingeweihte und bes. Interessierte wussten, was sich hinter dem Efeu verbarg.
Auslöser der lokalen Diskussion war wohl die Herausgabe des Buchs „ausgelöscht“ von Franz Rinner+Roland Burger+Franz Strobl 1988, die die bedeutende Rolle der jüdischen Gemeinde in Mödling beschrieben.
Während die Reste der Synagoge 1987 abgetragen worden waren, wurde in der Nacht vom 9. zum 10. November 1988 = 50 Jahre nach der Pogromnacht (meines Wissens nach) zum ersten Mal eine Mahnwache am Grund der ehem. Synagoge angehalten, wobei einige (u.a. Pfarrer Müller) die ganze Nacht ausharrten.
Anlässlich der 1.100-Jahr-Feier der Stadt wurde endlich ein würdiges Denkmal zur Erinnerung an die Syngoge enthüllt – unter der Anwesenheit von rd. 40 vertriebenen MödlingerInnen und Ihren engsten Angehörigen, die von der Stadt zum Besuch ihrer alten Heimat eingeladen wurden. Das Denkmal steht natürlich für das jüdische Leben in der Stadt – egal, ob die Opfer nun selbst die Synagoge genutzt haben oder nicht. (Aber das hat ja auch die Nazis-Mörder nicht interessiert, ob ihre Opfer sich dem Judentum verbunden fühlten oder nicht).
Nach diesem „Reunions“-Treffen fanden sich einige der OrganisatorInnen weiter zusammen, um nun auch ganz konkret das Schicksal der Opfer zu recherchieren und 2006 wurden die ersten Stolpersteine für Mordopfer an ihren letzten Wohnstätten in Mödling gelegt, denen bis heute weiter folgten: 32 sind es bis dato.
Und seit dem 4. 11. gibt es nun diese eindrucksvolle Gedenkwoche im Stadttheater.
Wer immer sich und in welcher Form immer mit der Zeit und den Folgen der NS-Herrschaft beschäftigt hat, ist unweigerlich emotional gefangen. JedeR auf seine Art: mit der quälenden Frage, wie man selbst sich verhalten hätte, ob man den Bedrängten geholfen hätte, ob man selbst gegen die Phrasen und die Versprechungen immun gewesen wäre… Oder einfach deprimiert zu sein / verwirrt, sich zu schämen. (Weil wir ja nicht vom Mittelalter reden, sondern von der Stadt, die wir lieben und wo wir jeden Winkel zu kennen glauben und die im Großen und Ganzen die selbe ist wie vor 80 Jahren).
Aber fast alle haben gemeint, dass man sich mit einer historischen Entwicklung beschäftigt (die vielfältig nachwirkt…).
Kaum jemand kam in den letzten Jahren und Jahrzehnten auf die Idee, dass wir wieder gefordert werden könnten, ein Zusammenleben ohne Hass und ohne Ausgrenzung von vermeintlichen „Feinden“ verteidigen zu müssen…
Aber auch deshalb ist dieses großartige Projekt des Stadtheaters so wichtig, mit dem sich die Stadt nicht nur deutlich ihrer Geschichte stellt – und das in einer vorbildlichen Art und Weise, sondern in der täglichen Diskussion auch ein deutliches Signal setzt.
Ich habe es übernommen, für die Veranstaltung im Namen der Stadt zu danken:
  • Bruno Max und Mitgliedern seines Ensemble, die recherchiert und gelesen haben; das Stadttheater wird immer mehr zu mehr als nur einem Theater für unsere Stadt, sondern zu einem geistigen Zentrum und zu einer Institution zur Identifikation mit der Stadt und ihrer Geschichte (wie auch schon mit der Inszenierung von „Wien 24 – ein Abend der Erinnerung“ 2008 und der Aufarbeitung der Geschichte des Luftschutzbunkers 2010 „Maikäfer flieg“).
  • Ich danke den OrganisatorInnen der Ausstellung hier, die die Gedenkwoche optisch begleitet: Jörg Zaunbauer, Chris Demateé, Rainer Voltmann, Josef und Deniz Hasenöhrl, Walter Ulreich
  • Ich danke Stephan Schimanova, der nicht nur über sein Ressort die Gedenkwoche mit-organisiert und unterstützt, sondern selbst auch Beiträge geliefert hat
  • Und ich bedanke mich – explizit – bei unserem BM Hans Stefan Hintner, ohne den es weder das Stadttheater in Mödling gäbe, noch einen Intendanten Bruno Max und der für das Klima in Mödling steht, in dem eine beeindruckende Veranstaltung wie die Gedenkwoche möglich war und ist.

Nach den Ansprachen fand das Konzert statt, bei dem Rupert Bergmann (Bassbariton) und Christoph Traxler am Klavier Werke von Ernst Krenek, Ursula Erhart-Schwertmann, Arnold Schönberg und Viktor Ullmann zur Aufführung brachten.

Die Woche vor diesem Festakt brachte eine Abfolge von sehr bewegenden und wichtigen Veranstaltungen zur Erinnerung und Auseinandersetzung mit der Zeit der NS-Gewaltherrschaft.

Bereits Ende Oktober wurde auf Initiative der ARGE Chance mit Beteiligung von vielen Freiwilligen der Mödlinger jüdische Friedhof gereinigt und wieder besser zugänglich gemacht.

Zum Abschluss des Projekts am Jüdischen Friedhof hat die Wiener Historikerin Mag.a Tina Walzer bei einem Vortrag im Festsaal des Museums der Stadt Mödling einen Ein- und Überblick über jüdische Bestattungsrituale und jüdische Friedhofsarchitektur erläutert.

 

Musikalisch wurde der Vortrag von Christian Höller begleitet.

Mödlinger GRÜNE und Freunde der GRÜNEN haben in den Tagen vor dem 9. November alle in Mödling liegenden Stolpersteine geputzt.

Zeitgleich mit den vielen Veranstaltungen war eine Sondernummer der Kulturzeitschrift „medilihha“ erschienen, die sich dem Leben der Juden in Mödling widmete.

Insgesamt glaube ich, dass die Stadt auf vielen Ebenen das Gedenken an die Ereignisse vor 80 Jahren sehr umsichtig und würdig und eindrucksvoll gestaltet hat.

Nichts kann ungeschehen gemacht werden und es kann keine Entschuldigung geben.

Aber wir sind heute verpflichtet, die Erinnerung an das Unrecht aufrecht zu erhalten, das im Namen der Interessen eines deutschen Volkes an den Menschen im damaligen deutschen Reich verübt wurde: durch den Völkermord, durch brutale Repression, aber nicht zuletzt auch durch die Entfesselung des Krieges.

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Besuch bei der Gendarmerie

27.Februar 2016 in gestern & heute, interessant

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Tafel beim alten Haupteingang

Vor ein paar Tagen konnten wir (VertreterInnen der Stadtregierung und BeamtInnen des Bauamts) die alten GZS-Gebäude besichtigen. Ein paar Fotos sollen die Eindrücke auch für andere vermitteln, die bisher keinen Zugang hatten.

Übrigens: im April wird es eine öffentliche Besichtigungsmöglichkeit geben. (Da werden aber die größen Glasscherbenberge aus Sicherheitsgründen entfernt sein).

 

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Irgendwann einmal Stand der Technik

 

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Die Dachluke steht seit ? offen

 

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Ein Symbol

 

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Der Vortrags- und Kinosaal

 

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Übrigens: das Kürzel „ACAB“ (zu sehen überall auf der Welt) bedeutet „all cops are bastards“…

 

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Zum Glück ausgeschaltet

 

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Sicherungskasten im Schutzbunker

 

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Eingang zum Bunker

 

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!!!

 

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Kellerfenster (schön)

 

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Ein sensationeller Theaterabend in Mödling

15.Februar 2016 in dramatisch, gestern & heute, herausfordernd

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Im Mödlinger Stadttheater hatte am vergangenen Samstag „In der Löwengrube“ von Felix Mitterer Premiere.

Nach Ende der Vorstellung gab es standing ovations, wie ich sie im Stadttheater noch nicht erlebt habe. Und das zu Recht, weil das Stück sehr beeindruckend und die Leistung der SchauspielerInnen sensationell war. Ich glaube, diese Aufführung ist ein wirkliches Highlight, mit dem sich unser Theater auch vor großen Bühnen nicht verstecken müsste.

Es geht in Anlehnung an eine reale Begebenheit um aggressiven Rassismus zu Beginn der Naziherrschaft – in einem Theater und darum, wie sich die verschiedenen Schauspieler und auch der Theaterdirektor (Bernie Feit at his best) positionieren. Rüdiger Hentzschel als Hauptdarsteller brilliert, aber neben ihm auch Wolfgang Lesky als SA-Mann, sowie Christina Saginth, Hermann Kogler, Georg Kusztrich und alle anderen. Alle wurden gefeiert und eine kleine Auszeichnung für das Stadttheater war sicher auch die Anwesenheit des Autors Felix Mitterer bei der Premiere.

Das Stück wird noch am 18.02.-20.02., jeweils um 19:30 Uhr, am 21.02. um 17:00 Uhr, am 23.02., 25.02.-27.02., jeweils um 19:30 Uhr gezeigt.

Lassen Sie sich diesen Theaterabend nicht entgehen. Es wär´ nicht nur wegen des Schauspiels: ich glaube, dass auch der politische Bezug wert ist, sich auf das Stück einzulassen. Unendlich weit weg von der damaligen Atmosphäre sind wir heute nicht…

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Allerheiligen: Totenfeier der Stadt

1.November 2015 in gestern & heute

IMG_1660Am 1. November findet jedes Jahr auch eine Ehrung der Toten vor dem Denkmal für die Gefallenen der Kriege statt.

Normalerweise hält der Bürgermeister die Rede vor den Abordnungen der Feuerwehr, des Roten Kreuzes und des Bundesheeres, sowie den VertreterInnen des Stadt- und Gemeinderats. Er war heuer allerdings verhindert und so habe ich mich – wie üblich – in seiner Vertretung auf die Ansprache vorbereitet. Der Bürgermeister hat dann aber kurzfristig den 2. Vizebürgermeister, Ferdinand Rubel, mit seiner Vertretung beauftragt (der das dann eh auch sehr gut gemacht hat).

Ich hätte – ungefähr – folgendes gesagt:

Zu Allerheiligen und Allerseelen pflegen die Menschen in großen Teilen der Welt seit Jahrhunderten traditionell das Andenken ihrer verstorbenen Verwandten und Freunde.

Das offizielle Mödling – Kameradschaftsverbände, die humanitären Organisationen, allen voran die Freiwillige Feuerwehr, das Rote Kreuz, sowie Mitglieder der politischen Vertretungsorgane, Bürgerinnen und Bürger – gedenkt seit vielen Jahren an diesem Tag und an diesem Platz der Opfer der Kriege und der politischen Gewalt, wie sie im vergangenen Jahrhundert in heute schwer begreifbarer Weise auch bei uns Platz gegriffen hat.
Wir denken in erster Linie an die hunderten jungen Männer, die weit weg von ihrer Heimat Mödling in zwei Kriegen ihr Leben lassen mussten; wir gedenken auch der vielen jungen Männer, die weit weg von ihrer Heimat hier in Mödling ihr Leben verloren; wir gedenken der Bürgerinnen und Bürger, die in ihrer Heimatstadt Opfer der Kämpfe wurden; wir gedenken der Opfer der politischen Verfolgung; wir gedenken auch derer, die in den blutigen politischen Auseinandersetzungen zwischen den Kriegen hier, in ihrer Heimat Mödling ihr Leben ließen; und wir gedenken auch der Mödlingerinnen und Mödlinger, denen unsere Stadt Heimat war, bis sie ihnen mit Gewalt genommen wurde – und nur die Glücklichsten sich ins Exil retten konnten.

Wir trauern um jeden einzelnen Menschen, verneigen uns und ehren ihr Andenken.

Aber wir stehen als offizielle VertreterInnen unserer Stadt auch hier, um in der Erinnerung an unsere Toten den Blick darauf zu werfen, welche fürchterlichen Folgen politisch oder religiös motivierte / gerechtfertigte Gewalt von Menschen gegen Menschen hat, sei es in Form von Krieg, Bürgerkrieg, Terror oder Verfolgung – wo immer auf der Welt.

Wenn wir in den vergangenen Jahren an Tagen wie diesen die Illusion hatten, über vergangene Zeiten zu reden, dann zeigen uns spätestens die letzten Monate, dass die Menschheit nur schlecht in der Lage ist, aus Erfahrung zu lernen: wenige Flugstunden von hier sterben Menschen in einem apokalyptischen Mehrfrontenkrieg, werden Menschen auf Grund ihrer Einstellung oder ihres Glaubens verfolgt und bestialisch getötet, wird ihr kulturelles Erbe ausgelöscht. Und wieder haben nur die Glücklichsten eine Chance, dem durch Flucht zu entgehen.

Gewalt ist nicht, war nie und darf nie und unter keinen Umständen zu einem Mittel der Lösung von gesellschaftlichen, religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen Problemen werden. Dieses Prinzip aufrecht zu erhalten und damit den Frieden zu bewahren ist den Völkern in den größten Teilen Europas während der vergangenen 2 Generationen gelungen – die Europäische Union wurde mit diesem Ziel gegründet.
Doch die Entwicklungen in der arabischen Welt lassen uns offenbar schnell unsere eigene Geschichte vergessen: eine Geschichte, die in Folge kriegerischer und politischer Gewalt gegen ganze Völker auch eine Geschichte massenhafter Flucht war und auch eine Geschichte von Menschen ist, die fern ihrer Heimat auf Hilfsbereitschaft und Verständnis gehofft haben – und viele eine neue Heimat auch hier in Mödling gefunden haben.

Es gibt keine Alternative zum friedlichen Zusammenleben der Menschen, der gegenseitigen Toleranz, der Achtung und der Hilfsbereitschaft. Es gibt keine Alternative, der Gewalt von Menschen gegen Menschen mit allen Mitteln entgegenzutreten – und nicht nur, wenn man gerade stärker mit den Folgen konfrontiert ist.

Aber gerade an einem Tag wie diesem muss der Blick auch darauf geworfen werden, was dem massenhaften und organisierten Töten den Weg bereitet hat, was erst die Voraussetzungen geschaffen hat, dass Menschen bereit sind, – auch auf Befehl – auf Menschen zu schießen. Es ist das Erzeugen eines Klimas der Ablehnung, des Misstrauens und des Hasses gegenüber Menschen mit anderer Nationalität, Religion, Sprache, Hautfarbe, Aussehen, Meinung oder was immer. Wir alle kennen die Parolen, mit denen die österreichischen Soldaten in den 1. Weltkrieg zogen (¨Serbien muss sterbien¨)  – und genau die gleichen Sprüche führten auch die Soldaten der anderen Kriegsparteien mit sich. Verbal wurde damit die Hemmschwelle für die Gewalt gesenkt: da geht es dann nicht mehr um den einzelnen Menschen, sondern um eine anonyme Masse von Feinden, ¨die anderen¨, die Bösen…

Denken wir heute gerade vor dem Denkmal für die vielen jungen Menschen, die in Mödling aufgewachsen sind, hier zu Hause waren, hier ihre Hoffnungen für ihre persönliche Zukunft träumten – und die ihre Jugend und ihr Leben meist unter grauenvollen Umständen in einem Krieg verloren, der nicht der ihre war; denken wir heute daran, nicht nur der politischen und religiös motivierten Gewalt, sondern auch einer Sprache entgegenzutreten, die nicht mehr den einzelnen Menschen und das Miteinander, sondern die Abgrenzung und die Ablehnung ¨der anderen¨ zum Inhalt hat.

Treten wir – jeder mit seinen Möglichkeiten und von seiner weltanschaulichen Position aus – für Toleranz und Frieden und für gewaltfreie Formen zur Lösung von Konflikten ein. Und stellen wir bei allem unserem Denken und Sagen die Menschlichkeit und den gegenseitigen Respekt in den Vordergrund.

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9. November: Tag der Schande

9.November 2014 in gestern & heute, wichtig !!!

IMG_5478Heute, am 9. November fand  – wie jedes Jahr – die Gedenkfeier der Stadtgemeinde für die Pogromnacht beim Denkmal für die Synagoge in der Enzersdorferstraße statt.

Geredet haben StR Paul Werdenich, Alt-BM Werner Burg als Augenzeuge, Otto Rezac jun. für die JVP und ich als Vize-Bürgermeister im Namen der Stadt. Danach wurde ein Kranz der Stadt nieder gelegt.

Ich finde, die Zerstörung der Synagoge es ist eine wichtige Angelegenheit, die in unserer Stadt die entsprechende Beachtung finden muss. Mödling war bis in die 30er-Jahre eine der Städte mit einem großen Anteil an jüdischen BürgerInnen. Die Synagoge war das Zentrum ihrer kulturellen Identität. Die Vernichtung der jüdischen Gemeinde in Mödling bedeutet auch das Auslöschen eines Teils des Lebens in dieser Stadt. Und viele MödlingerInnen haben mit Feuereifer bei der Drangsalierung der jüdischen BürgerInnen mitgemacht – und auch der Brand der Synagoge vor 76 Jahren wurde von einer großen Menschenmenge begeistert gefeiert. Wir müssen uns heute noch für unsere Verwandten schämen, wenn sie damals dabei waren, sich in die Hetzpolitik einspannen ließen – und freudig mitgemacht haben.

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