29.1.2023 Landtagswahl

30.Januar 2023 in dramatisch, interessant, konkret, persönlich

Kann man sich als GRÜNER über +1% für die eigene Partei freuen?

Kann man sich als GRÜNER über den Absturz der allmächtigen ÖVP freuen?

Kann man sich als GRÜNER über eine jämmerliche SPÖ freuen?

Wenn gleichzeitig eine Partei, die überall sonst in Europa als rechtsradikal eingestuft würde, 1/4 der Stimmen bekommt?

Zur ÖVP

Ich sag nicht, dass die ÖVP für Niederösterreich alles falsch macht / gemacht hat. Kulturell hat sie (OK: Pröll) viel weiter gebracht in dem früher sehr provinziellen Bundesland, hat ein bissl Identität geschaffen und – ehrlich – auch in der Energieberatung / -politik ist einiges gelungen (viel zu wenig, wir wissen es, aber deutlich mehr als in anderen Bundesländern und mit der eNu gibt´s eine Organisation mit vielen guten Leuten, die über viel Know-How verfügen und das auch weiter geben).

Aber natürlich hat die ÖVP das Land Jahrzehnte als ihr Eigentum betrachtet. Jobs nur für die eigenen Leute, sowas gibt´s in Wien schon lange nicht mehr. Die Selbstherrlichkeit der Landespolitik bis hinunter in die Gemeinden ist einer modernen Demokratie schon lange nicht mehr würdig.

Und so hat auch die Wahlwerbung der ÖVP ausgesehen, eigentlich eine Anmaßung! Keine Spur, absolut keine Spur von irgendeiner inhaltlichen Festlegung, sondern nur „ich bin das Land“! / „wählt das Land“!
Auch von „ÖVP“ war auf den Wahlplakaten und -Foldern kaum etwas zu sehen.
„Gemeinsam“ für NÖ! Ausgerechnet die ÖVP für „gemeinsam“???

Bei der Art von Auftritt wurden die Wähler:innen im Unklaren gelassen, ob diese Partei für oder gegen Vermögenssteuern ist / für oder gegen Windräder / für oder gegen Zersiedelung oder what ever – nichts!
OK, man weiß, wie die ÖVP tickt und wohin sie politisch will (dass alles so bleibt und vor allem die ÖVP ihre Macht und Positionen behält): aber in der Wahlwerbung war nichts zu sehen oder zu hören!
Die ÖVP ist das Land. Und eine Stimme für die ÖVP ist eine Frage der Loyalität zum Bundesland. Gespenstisch!

Dass die ÖVP in einer Zeit, in der Skandale ohne Ende publik werden, ihre Hosen verliert, wäre eigentlich logisch, schon lange überfällig und nichts weniger als zu bejubeln.
Wenn, ja wenn!

Wenn vernünftige neue politische Kräfte entsprechend stärker würden, das Land öffnen und die versteinerten Strukturen aufbrechen könnten. Dann wäre der 29. Jänner ein guter Tag gewesen.

Die Sozialdemokraten

Aber so war es nicht. Die SPÖ hat mit einer Wahlwerbung ähnlich einem „Satireprojekt“ (Der Standard) vom Verlust der ÖVP nicht nur nicht profitiert, sondern selbst noch einmal epochal verloren! Das muss man sich einmal vorstellen: die ÖVP jammert (meiner Meinung nach zu Unrecht) über die Bürde, als Regierungspartei den Unmut der Menschen über die Pandemie, den Krieg und dessen (?) Folgen zu spüren zu bekommen. Aber die SPÖ? Die Genoss:innen sind seit Jahren in der Opposition und keppeln eh gegen alles und jedes. Aber eine politische Linie und Strategie? Fehlanzeige.
Gegen hohe Preise – das soll eine politische Forderung sein? Abgesehen davon, dass auch in Wien die Preise für Energie der kommunalen Versorger genau so steigen, wie überall sonst: wo werden Preise gemacht? Sind das politische Entscheidungen? Was würde passieren, wenn die SPÖ die Wahl gewonnen hätte (eh unmöglich): würden dann die Preise sinken? Oder war und ist diese Forderung eine Verarschung der Bevölkerung, weil ohnehin nicht umsetzbar? Was wird die SPÖ das nächste Mal plakatieren? Besseres Wetter? Natürlich ist die Preissteigerung ein drängendes Problem und wer sonst, als eine Partei, die die soziale Frage auf ihren Fahnen stehen hat, muss sich darum kümmern? Aber da geht´s um Abfedern der Teuerung / um Steuerfragen / um Umverteilung (!!!). Aber nein: sie fordern, dass die Preise wieder sinken sollen. Ja eh, aber das glaubt ja genau niemand, dass das die SPÖ erreichen könnte.

Die Kleinen

Ich hatte gehofft, das die NEOS vom Desaster der ÖVP profitieren könnten, dass die sog. Liberalen aus der ÖVP (was immer das in Österreich und insbesondere in der ÖVP sein mag) zu den NEOS abwandern. Dass ein bissl mehr geistige Offenheit und der Ruf nach Transparenz für aufgeklärte, bürgerlich denkende Menschen attraktiv wären. Leider nein.

Und die GRÜNEN? Gut, ein bissl gewonnen und wieder so stark, wie vor 10 Jahren. Eh. Und viele haben sich sehr engagiert. Aber haben wir nicht gesagt, dass das die letzte Wahl ist, wo man noch etwas gegen die Klimakatastrophe machen kann? Was werden wir in 5, was in 10 Jahren propagieren? Offenbar ist das für viele Leute schon langweilig! Und die Jungen wählen die FPÖ…
Für unsere Ansprüche und unsere Verantwortung muss dieses Wahlergebnis zu wenig sein!

Und die „Freiheit“lichen

Und so muss man an diesem Tag ein demokratiepolitisches Desaster zur Kenntnis nehmen: fast alles, was ÖVP (und SPÖ) verlieren, geht zur FPÖ! Zu einer Partei, die am äußerst rechten Rand des politischen Spektrums steht. So wie sich Kickl bei den Corona-Schwurbler-Demos aufgeführt hat, hatten ja manche schon gedacht, dass er sich endgültig ins politische Abseits gedribbelt hat. Dabei rede ich noch gar nicht von den unzähligen Korruptions-Skandalen, für die FPÖ-Politiker:innen verantwortlich waren, von Ibiza (!) und gerade in Niederösterreich von der „Arbeit“ des Landesrats von ÖVPs Gnaden, Waldhäusl, den „Hanni“ bei der unerträglichen Podiumsdiskussion ein paar Tage vor der Wahl ausdrücklich gelobt hat.
Alles vergessen? Oder egal? Gewählt wurde von 1/4 der Wähler:innen die Partei der Schwurbler, der Putin-Versteher, der ungenierten Korruption und eine Partei, die beim Appell des Bundepräsidenten für die Wahrung der Menschenrechte und zum „niemals vergessen!“ sitzen bleibt und demonstrativ nicht applaudiert.

Aber egal, wie unerträglich diese Partei auch sein mag: ÖVP und SPÖ umwerben sie und kommen ihr immer wieder und immer weiter entgegen. DAS ist der Grund für diesen schwer zu ertragenden Trend nach ganz rechts in Österreich: dass keine klaren Linien gezogen werden, dass Positionen hoffähig werden, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären und dass eine Partei als „normal“ im politischen Diskurs behandelt wird, die nicht „normal“ ist, sondern das Land und die Demokratie umdrehen will. Wenn ein ÖVP-Innenminister ohne Zwang die Menschenrechtskonvention in Frage stellt, dann ist das 1. ein Zeichen für den Zustand der ÖVP und 2. ein Steilpass für Rechtsaussen. Dass Leute wie Schlögl seitens der SPÖ bejammern, dass die SPÖ ausgegrenzt würde (wo eigentlich?), ist ein weiterer Jammer und eine Ursache für die immer weitere Akzeptanz der FPÖ. Haben diese Berufs-Politiker:innen von SPÖVP noch immer nicht genug von ihren politischen Taktik-Spielchen, bei denen es nur darum geht, am nächsten Tag irgend einen minimalen Vorteil für sich und seine Partei herauszuholen? Ganz egal, was das längerfristig und für den politischen Zustand des Landes bedeutet?

Die politische Lage in diesem Land ist seit gestern wieder ein Stück schrecklicher und beängstigender.
Ich muss ehrlich sagen: ich fürchte mich ein bisschen…

Das alles ist ziemlich pessimistisch. Aber heute fällt mir – auch für mich selbst – keine positive Perspektive ein.

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Typisch! Diesmal Steiermark...

12.November 2022 in ärgerlich, jenseits, konkret

Der Behinderungen für Radfahrer*innen sind leider viele in Österreich.

Hier ein Beispiel aus der Steiermark, in dem besonders deutlich wird, wie der Radverkehr gegenüber dem Motorsierten Verkehr zurückgesetzt wird.

Es geht um den Nordwesten der Steiermark, um die Kreuzung der Ennstalbundesstraße B320 mit der Salzkammergutbundesstraße B145 bei Steinach, genauer beim Schloss Trautenfels.

Über diese Kreuzung erreicht man das Steirische Salzkammergut von Süden.

Bis vor kurzem wurde diese Kreuzung durch eine Ampel geregelt. Durch den starken – besonders LKW- – Verkehr auf der Ennstalbundesstraße gab es dort oft lange Staus. Also wurde die Kreuzung „MIV-fit“ gemacht. Die Arbeiten dauerten 3 Jahre, am 12. Mai 2021 wurde die neue Kreuzung – mit Kosten von rd. 20 Mio – eröffnet: „zu ebener Erde“ gibt es nun einen Kreisverkehr, während die B320 über eine Brücke unterbrechungsfrei über den Kreisverkehr geführt wird.

Hier das Projekt im Modell. Der Radfahrer rechts wusste natürlich noch nichts von den kommenden Schwierigkeiten, sonst wäre er nicht so dynamisch unterwegs…
Q: meinbezirk.at, 20.1.2016
https://www.meinbezirk.at/graz/c-lokales/kreuzung-trautenfels-siegerprojekt-steht-fest_a1610529

In der Region wurde viel über das Projekt diskutiert. Viele warteten sehnlich auf die neue Lösung, während andere vor dem zunehmenden (Schwer-)Verkehr warnten.

Nun gibt es in der Steiermark einige Langstreckenradwege, auf die das Land stolz ist. Einer davon ist der R7, der Ennsradweg, stark beworben von der Tourismuswerbung.
https://www.steiermark.com/de/Steiermark/Aktiv-in-der-Natur/Rad-Bike/Ennsradweg.

Der Ennsradweg hat in Irdnung eine Abzweigung zum nicht weniger interessanten Salzkammergutradweg, R19. Auch dieser natürlich im Fokus der Fremdenverkehrswerbung. https://www.salzkammergut.at/oesterreich-tour/detail/430008553/r2-r19-salzkammergut-radweg.html.

Die Abzweigung vom R7 zum R19 ist direkt bei Steinach, also in unmittelbarer Nähe zum Schloss Trautenfels und „unserer“ Kreuzung.

Auf diesem Kartenausschnitt sieht man das Problem: der Radweg macht einen großen Umweg um den neuen Kreisverkehr.
Q: https://www.salzkammergut.at/oesterreich-tour/detail/430008553/r2-r19-salzkammergut-radweg.html

Auf der Karte schaut das Ganze noch harmlos aus: als leider üblicher Umweg für die Radfahrer*innen zu Gunsten des MIV.

Konkret ist der Umweg aber dann skandalös:

Das ist die Radverkehrsumleitung vom Enntalradweg in Richtung Aussee, also in Richtung Norden:

Die Unterführung wird von vielsagenden Schildern begleitet:

„Schieben von Fahrrädern erlaubt“
…allerdings nicht bei Hochwasser…

Wenn der Grimmingbach aber ein bissl mehr Wasser führt, gibt´s eine Umleitung von der Umleitung:

Die Bundesstraße dort mit dem Rad zu überqueren ist nicht lustig!

(P.S.: der Zaun wurde wahrscheinlich von erzürnten Radfahrer*innen niedergetreten, denn von der Radwegführung ist keine Umleitung der Umleitung vorgesehen).

Ich finde, diese Stelle am Beginn des Salzkammergutradwegs R19 im Zug der „tollen“ Trautenfelskreuzung ist eine Schande und eine Zumutung!

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GRÜNES Wanderkino 2022

25.Juli 2022 in einfach nur schön, erfreulich, GRÜN, konkret

Am 22. und 23. Juli haben wir nach 2 Jahren Unterbrechung wieder ein Wanderkino in Mödling organisiert.

Und an beiden Tagen waren wieder alle Plätze im Museumspark besetzt: ich glaub, nicht nur wir, auch unsere Besucher*innen haben sich gefreut, dass wir wieder Kino machen in Mödling.

Es waren zwei besondere Abende.
Natürlich schon wegen des Wetters: auch wenn´s am Tag ungemütlich heiss war, ein Abend nach der Hitze hat schon ´was…
Am Samstag haben sich – von den Besucher*innen unbemerkt – gegen Ende des Films ein paar Regenwolken Mödling genähert. Hobby-Gärtner*innen hätte es sicher gefreut, aber wir waren ein bisl´ in Aufregung. Aber letztlich kam bei uns kein Tropfen (im Nachbarort aber schon: Danke, wem immer).

Am Freitag spielte vor dem Film Benjamin Zumpfe unter Bäumen virtuos Bach und Beethoven am Keybord – wer das ausgelassen hat, hat wirklich ´was verpasst! Vielen Dank, Benjamin für dieses Highlight!

Zum Film war das Museumspark-Kino dann voll besetzt. „Der Klavierspieler vom Gare du Nord“ hat – glaub ich – gut gefallen.

Am Samstag besuchte uns am Nachmittag Anna Mabo und sang – zum Teil begleitet von Tom Pronai – zur Gitarre ihre wunderschönen, frechen, kraftvollen, gefühl- und humorvollen Lieder.

c Walter Ulreich

Und nach Anna Mabo lief „Du bist mein Mensch“ – wieder vor vollen Reihen. Und auch dieser FIlm war – so denk ich – gut ausgewählt. [Die Abstimmung über die Filme – meistens um den Jahreswechsel – zählt zu den Höhepunkten der gruppeninternen Basisdemokratie der Mödlinger GRÜNEN 🙂 ]

Die beiden Tage des Musik- und Kinofestes wurden begleitet von einer Reihe sympatischer und wohlschmeckender Angebote von regionalen Betreiber*innen:

*) Der Mödlinger Weltladen hatte fair gehandelte Schokolade und andere Snacks, sowie Eistee mitgebracht und produzierte „live“ Popcorn vom Feinsten

*) Der Obstkreis bot Säfte, aber auch Würstel – mit eigenem Senf

c Harald Stopfer

*) Konstantin´s hatte feine Getränke, aber vor allem sehr feinen Käse dabei

c Harald Stopfer

*) Solidarische Landwirtschaft kam mit Infos und Marmeladen

c Harald Stopfer

*) Philipp Waldhans, vlg. Lebzelterei Rachenzentner bot unvergleichliche Lebkuchen

c Harald Stopfer

*) SO & SO, das Bistro aus der Südstadt machte vor Ort Burgerund Wraps und war auch für Bier (Tschöams Mödlinger Helles) und Wein zuständig

c Harald Stopfer

*) Phyll´s_food war vegan: mit Ratatouille, Tarte und Vichyssoise (kalte kalte Kartoffel-/Lauchsuppe) vertreten. Übrigens: Phyll´s gibt es nur bei Veranstaltungen

*) Der Laden31 hatte wie immer Produkte regionaler Künstler*innen dabei

c Harald Stopfer

*) Zelal Al Safadi mit syrischem Schmuck

c Harad Stopfer

*) Und auch der Tierschutzverein Mödling hat Kunsthandwerk mitgebracht.

Das GRÜNE Wanderkino ist als „Sauberhaftes Fest“ für die Beachtung ökologischer Kriterien ausgezeichnet.

Eine Veranstaltung, wie das GRÜNE Wanderkino kann nur gut funktionieren, wenn alle mithelfen. Das war auch heuer wieder so: wir hatten ein paar Helfer aus dem tra-la-lobe-Haus in Mödling, aber sonst konnte man die Mitglieder, Stadt- und Gemeinderät*innen und den Vizebürgermeister der GRÜNEN Mödling beim Tragen sehen…

Vielen Dank Euch (uns) allen!

Danken möchte ich auch…

+) …dem Abfallverband Mödling, der uns das Geschirrmobil gebracht und es wieder abgeholt hat

+) …der Stadtgemeinde Mödling, die uns mit Wasser- und Kanalanschluss, sowie mit Abfallbehältern versorgt, die Sessel + Bühne gebracht und wieder abgeholt und außerdem die Kosten des Geschirrmobils übernommen hat

+) Das City Management, das uns mit vielem, besonders aber mit der Hütte für SO & SO geholfen hat

+) …Doris Hickelsberger von der Amtsdirektion der Stadt, die uns bei den behördlichen Genehmigungen hilfreich zur Seite gestanden ist

+) …Andreas Berger, dem Intendanten des Mödlinger Sommertheaters, der uns an beiden Tagen den Saal der Europa-Sportmittelschule als Ausweichquartier überlassen hat und damit auf zwei Tage seiner Aufführungen von „Don Camillo & Peppone“ verzichtet hat. (Wir haben das gleiche Ausweichquartier wie das Sommertheater.) [Wer diese köstliche Komödie aus dem Italien der Nachkriegszeit noch nicht gesehen hat: schaut es Euch an!]

+) …Christian Polt, dem guten Geist der Europa-Sportmittelschule

+) …der Firma Rezac, die uns elektrotechnisch perfekt versorgt hat.

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Endlich: Radweg entlang der B11

17.Juli 2022 in einfach nur schön, herausfordernd, interessant, konkret

Geredet haben wir eine halbe Ewigkeit. Und mit „wir“ meine ich die GRÜNEN, die Radlobby und viele Freund*innen des Radfahrens. Seit kurzem ist der neue Radweg fertig und wurde am vergangenen Sonntag (10. Juli) eröffnet.

Der neue Radweg entlang der B11

Es geht um eine Strecke von 5 km über den Gaadner Berg.

Und es war ein glücklicher Umstand, der letztlich zu diesem Radweg führte. Seit dem Ausbau der B11 führten 3 KfZ-Spuren über den Gaadner Berg: bergauf jeweils 2 Spuren, bergab eine. (Der Grund liegt in der Zeit vor dem Bau der A21, der Außenring-Autobahn. Damals fuhren die LKWs auf der B11 und die doppelten Spuren bergauf dienten zum Überholen.)

Vor ein paar Jahren stand eine Erneuerung der Fahrbahn an und man entschloss sich, diedrei Fahrbahnen auf zwei zu reduzieren. Das Land reduziert seit einiger Zeit die Breiten der Bundes- und Landesstraßen, aber primär nicht zur Verringerung der Geschwindigkeit, sondern um Kosten (Errichtung, Erhaltung, Winterdienst) zu sparen.

Früher führten 3 Fahrspuren über den Berg

Die Idee entstand in der Landesstraßenverwaltung, einen Teil der aufgelassenen Fahrbahn für einen Radweg zu nutzen. Das wurde auf der Seite nach Heiligenkreuz schon im vergangenen Jahr umgesetzt. Ein bisserl komplizierter war der Gaadener Teil unterhalb der Steigung, dort, wo die Überholspur zu Ende war. Dort gab es keine dritte Spur, die man nutzen konnte und obendrein fällt das Gelände in diesem Abschnitt neben der B11 ziemlich steil ab. Aber nach längerer Planung und mit der Zusage einer komfortablen Förderung seitens des Landes wurde auch dafür eine Lösung gefunden, für die leider eine ganze Mange Bäume gefällt werden mussten. (Ich bin mir nicht sicher, aber das Ausmaß der Schlägerungen wirklich nötig war, aber das ist eine andere Frage.)

Die Einbindung in Heiligenkreuz ist sehr gut gelöst: man kommt vom Klosterparkplatz direkt auf den kombinierten Geh-/Radweg.

In Gaaden endet der Radweg leider beim Biotop und damit unmittelbar bei der Ortsgrenze.

Die Pominenz bei der Eröffnung
Die GRÜNEN bei der Eröffnung (Matthäus Schwalm, Heiligenkreuz; Elisabeth Chiba, Gaaden, der „Autor“, Mödling; Margot Schlegl, Heiligenkreuz)

Und so schaut der Radweg aus:

Von Heiligenkreuz in Richtung Gaaden bergauf: super!
Auf der Kuppe (links der Autobahnzubringer)
Radfahrer aus Richtung Gaaden
(Blick zurück in Richtung Kuppe) Rennradfahrer in Richtung Gaaden bergab auf der Fahrbahn
(Blick zurück in Richtung Kuppe) Radfahrerin mit Anhänger, dahinter Kind in Richtung Gaaden bergab
Verschwenk in Richtung Gaaden, weg von der Fahrbahn und unter dem Fahnbahnniveau weiter zum Biotop
Und hier ist leider Schluß mit lustig: Ende des Radwegs

Mein Eindruck vom Radweg:

*) Gut und wichtig (s. unten)
*) Bergauf ist man weg von den Autos, die hier ziemlich schnell fahren. Damit ist dieser Weg auch problemlos mit Kindern zu nutzen.
*) Ein Problem ist das Bergab-Fahren, insbesondere von schnellen Radfahrer*innen: wenn jemand bergab am Radweg und das wahrscheinlich relativ schnell fährt, ist das ein ziemlich großes Risiko, denn dafür ist der Radweg zu schmal. Als Erwachsener mit einem entsprechenden Rad sollte man auf der Fahrbahn bergab fahren! Dazu nötig ist, den Radweg mit eckigen Verkehrszeichen zu versehen (die Verkehrszeichen fehlen noch). Ich hoffe, die BH denkt so wie ich.
*) Schade ist das Ende des Radwegs in Gaaden. Und meines Wissens gibt es da auch keine Pläne zur Verlängerung.

Was nötig wäre:

*) Die Verlängerung in Richtung Mödling.
Gaaden hat sich mit der Hinterbühl auf eine Lösung für den Abschnitt von der Höldrichsmühle bis zum Ortseingang Gaaden (aus Blickrichtung von Mödling aus) geeinigt, die 2023 umgesetzt werden soll. Aber durch die Gemeinde Gaaden gibt es keine passende Lösung.

Das ist schade, denn das ist das letzte fehlende Stück auf einem Dreieckskurs, der touristisch sehr interessant wäre: Mödling – Baden – Heiligenkreuz.

Die „Wienerwald-Runde“

Die Verbindung zwischen Baden und Heiligenkreuz ist fertig, zwischen Baden und Mödling gibt es 2 Varianten (Weingartenradweg oder Wiener-Neustädter-Kanal). Jetzt gibt es den Abschnitt Heiligenkreuz bis Gaaden und 2023 von Gaaden nach Hinterbrühl (und damit bis Mödling auf Radwegen).

Diese Runde wäre 41km lang mit einer Höhendifferenz von 247m.

Mit den drei Eckpunkten wären eine ganze Reihe von attraktiven touristischen Zielen verbunden. Landschaftlich sind das Helenental, die Klausen, die Weinberge große Attraktionen.

Über Baden und Mödling sind die Einstiege in die Runde bequem aus Wien (oder Wr. Neustadt) mit der Bahn erreichbar.

Und entlang der Runde besteht eine (fast) lückenlose gastronomische Infrastruktur und auch Übernachtungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung.

Sie wäre perfekt, diese Runde. Nur Gaaden fehlt noch…

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Dänemark: Eindrücke von ökologischem Fortschritt

15.Juli 2022 in erfreulich, interessant, konkret

2022 drei Wochen Urlaub in Dänemark.

Wunderschön und zu Unrecht aus österreichischer Sicht völlig im Abseits.
Schöne Landschaft, vor allem an der Küste, nette Städte, innovative Architektur, vorbildliche Klimapolitik…

Hier ein paar wenige, sehr subjektive und natürlich nicht repräsentative Beispiele.

Vor allem für einen Aspekt ist Dänemark bekannt: für die vielen Radfahrer*innen.

Auch als Tourist bekommt man ein bißchen davon mit (wenn man halt ein bissl drauf schaut):

In der Großstadt Kopenhagen sehr breite Radwege mit klar sichtbaren Symbolen. (Im Gegensatz zu Amsterdam, etwa, sind die Bereiche für Fußgänger- und Radfahrer*innen klar getrennt.)

Auch auf den kleinsten Schiffen (hier ein Schiffs-Bus in Kopenhagen) ist Platz für Fahrräder.

Phantastisch: in kleineren Orten und schwach besiedelten Gebieten mit wenig PKW-Verkehr findet man oft diese Art von Mehrzweckfahrbahnen: nur eine Spur „Kernfahrbahn“ für beide Richtungen. Wenn ein PKW entgegen kommt und der Radstreifen frei ist, weichen die Autos auf die Radstreifen aus. Dadurch ergeben sich zwei sehr komfortable, breite Radstreifen. Und das ganze auch in 50km/h-Zonen.

Entlang von Landstraßen gibt es viele sehr komfortable Radwege.

Aber merkwürdig: überall (!) in Dänemark diese Felgenmörder und kaum vernünftige Anlehnbügel.
Gegen diese „Radständer“ protestiert die Radlobby in Österreich zu Recht und lautstark.

Im Vergleich dazu der Radparkplatz beim Stadion in Kiel (Heimstatt von Holstein Kiel, Mannschaft der 2. deutschen Bundesliga)

Ein Beispiel für Innovation: hier ein Blick in der neuen METRO in Kopenhagen – in Fahrtrichtung. Richtig: kein Fahrer (und auch keine Fahrerin…).

Kopenhagen – ohne Worte…

KLIMAKTORIUM: in Lemvig, einer Kleinstadt an der Westküste steht ein Informationszentrum zum Klimaschutz mit viel – auch interaktiv angebotenen – Informationen über die Bedeutung und die Maßnahmen in der Region. Für Schulen, für die lokale Bevölkerung – und für Touristen, wenn´s grad regent.

Im Schifffahrtsmuseum in Esbjerg, dem größten Hafen der Westküste: Modell eines Schiffes, das Windräder offshore errichtet. Dänemark ist bei der Errichtung und dem Betrieb von Offshore-Windparks weltweit führend.

Die internationale Schule in Kopenhagen. Die Kachel an der Außenwand sind photosensitiv und erzeugen 50% des von der Schule benötigten Stroms – in der Jahresbilanz!

Zum Teil tolle Architektur. Hier die neue Deutsche Botschaft im Nordhaven, einem Stadtentwicklungsgebiet, das an Stelle von alten Hafenanlagen und auch durch Aufschüttung mittels des Aushubs der 2020 eröffneten METRO entsteht.

Beeindruckende Beispiele für gelungene Fassadenbegrünung.

Und immer wieder moderne Architektur…

Aber neben Innovativem, Modernem, Fortschrittlichem: an der Küste stehen alle paar hundert Meter die Betonbunker, mit denen ein Verbrecherregime vor 80 Jahren versuchte, seine Macht abzusichern.
(Unfassbare Energieverschwendung: von der Grenze Frankreichs zu Spanien die gesamte Nordseeküste und in Dänemark auch entlang der Ostsee abertausende Betonmonster…)

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Eigentlich kein Auto mehr nötig...

11.Dezember 2021 in erfreulich, interessant, konkret

Mit 1. Dezember 2021 startet(e) das POSTBUS-Shuttle in der Mobilregion Mödling.

Es ist eine Form eines Anruf-(Sammel-)Taxis, die – mit Ausnahmen – den ganzen Bezirk Mödling abdeckt.

Durch Draufklicken kommen Sie zur Seite des POSTBUS-Shuttle

Ich will dieses Shuttle-Service jetzt nicht ganz als GRÜNES Projekt vereinnahmen. Tatsächlich haben wir GRÜNE im Bezirk Mödling aber seit Jahren eine Vereinheitlichung der unterschiedlichen und inkompatiblen lokalen Taxisysteme gefordert: jeder Ort hatte seine P-/ME-/Neudorf-Card, mit der die Bewohner*innen der verschiedenen Orte zusätzliche zum regionalen Öffentlichen Verkehr preisgünstig befördert wurden. Alle mit unterschiedlichen Tarifsystemen, unterschiedlichen Geltungsbereichen, unterschiedlichen Betriebszeiten – und alle von den jeweiligen Orten subventioniert.

Auch wir in Mödling hatten unser sog. „Anschlusstaxi“ (ein wirkliches GRÜNES Projekt), das Menschen, die mit dem Zug am Bahnhof ankamen nach einem bestimmten Fahrplan nach Hause brachten.

Fast 20 Jahre gab es in Mödling das Anschlusstaxi – jetzt wurde es ersetzt durch das POSTBUS-Shuttle

Regionale AST-Systeme gibt es seit einigen Jahren im Marchfeld und im Bezirk Korneuburg, aber noch nicht in einem dichtbesiedelten Gebiet. Der Bezirk Mödling bot sich somit als Pilotregion für ein derartiges System an.

So um 2018 kam es zu ersten Gesprächen, in die von Beginn weg der VOR, das Land und – natürlich – die Gemeinden eingebunden waren. Ein bissl´ hat´s gedauert, auch weil einige Gemeinden zu Beginn ablehnend oder höchstens halbherzig mit im Boot waren, sei es aus Desinteresse oder, weil sie Angst hatten, ihre lokale Lösung zu verlieren.

Aber so nach und nach hat das „Ding“ dann doch Gestalt angenommen, weil einige Gemeinden federführend mit dabei waren: Mödling noch während der GRÜNEn Regierungsbeteiligung, aber vor allem auch Perchtoldsdorf (obwohl P´dorf der erste Ort mit eigener Taxi-Lösung war).

Zu erwähnen ist auch die positive Rolle des Mödlinger Abfall-Verbands, der schon seit Jahren über den ursprünglichen Aufgabenbereich hinaus viele Aufgaben der Kooperation im Bezirk wahrnimmt (Abgabeneinhebung, Planung der Radhighways und jetzt eben auch den Shuttle).

Nach langen Verhandlungen und einer aufwändigen Ausschreibung „läuft“ das Shuttle-Service nun seit 1. Dezember.

Die Idee ist, die Lücke des „letzten Kilometers“ am Weg von A nach B möglichst komfortabel, preisgünstig und flächendeckend zu schließen.

Das Versorgungsgebiet des Shuttles ist der ganze Bezirk Mödling mit Ausnahme der Gemeinden Achau, Laab/W. und Gaaden (wieso eigentlich?) und zusätzlich U1 Oberlaa, U6 Siebenbirten, S-Bahn Liesing, Bahnhof Baden und die Gemeinde Heiligenkreuz.

Hier sehen Sie die Haltestellen des neuen Shuttle (durch Anklicken wird der Plan größer)

Das Shuttle-Service ist wochentags zwischen 5.00 und 2.00h (!) in Betrieb, am Wochenende und Feiertag rund um die Uhr. Im Bezirk wurden rd. 900 Haltestellen für das Shuttle definiert, wobei sämtliche Bushaltestellen auch als Shuttle-Stops gelten. Die Wartezeit auf ein Fahrzeug sollte maximal 30min. betragen, wobei allerdings noch nicht ganz klar ist, von wann an die 30 Minuten zu laufen beginnen. In der App sieht man aber genau die Ankunftszeit des Shuttles.

Das System ist für vorerst 3 Jahre angelegt und wird vom Land NÖ sehr großzügig finanziell unterstützt. Und – OK – die Gemeinden zahlen auch mit.

Man wählt per App oder mit einem Anruf eine Strecke zwischen definierten Haltestellen und wird vom Shuttle gefahren. Falls jemand die gleiche Strecke fahren will, werden mehere Personen transportiert. Wenn auf der Strecke zu der gewünschten Zeit ein Bus / ein Zug fährt, wird man allerdings auf diesen „höherrangigen“ Öffentlichen Verkehr verwiesen.

Für die Fahrt ist ein Betrag entsprechend der Entfernung zu bezahlen, allerdings gelten sämtliche Zeitkarten und natürlich auch das Klimaticket. In diesen Fällen muss dann nur der „Komfortzuschlag“ von €2,- je Fahrt und Fahrgast gezahlt werden. (Mödling und Wr. Neudorf übernehmen für ihre Einwohner auch den Komfortzuschlag – das funktioniert aber administrativ Mitte Dezember noch nicht).

Ich finde, dieses Service ist ein Quantensprung im Öffentlichen Verkehr: mit relativ geringen Beträgen ist man wirklich komfortabel und praktisch jederzeit ohne eigenes Auto unterwegs.
Zudem gibt es ja im Bezirk ein gut ausgebautes eCarsharing.

Die Berücksichtigung der U-Bahnstationen macht in der Zukunft die Elterntaxis Mitten in der Nacht überflüssig. Und erstmals sind auch die entlegeneren Gebiete im Wienerwald gut an den ÖV angeschlossen.

Eine sehr gute Einrichtung, dieses POSTBUS-Shuttle!

Postbus-Shuttle Copyright: ÖBB/Marek Knopp

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Baukultur-Gemeindepreis 2021 geht an Mödling!

26.September 2021 in erfreulich, gestern & heute, GRÜN, konkret

Am 23. September 2021 wurde im Rahmen einer großen Feier im Kuppelsaal der TU Wien der Baukutur-Gemeindepreis 2021 vergeben.

Gefragt waren innovative Ansätze in Gemeinden, Lösungen und die Wege dorthin.

Der Preis wird – heuer zum vierten Mal – ausgeschrieben vom Verein LandLuft, Verein zur Förderung von Baukultur in ländlichen Räumen in Kooperation mit dem Österreichischen Gemeinde- und dem Städtebund, gefördert von drei Bundesministerien und ist eine der höchsten Auszeichnungen im Bereich der Raumordnung und -planung in Österreich.

Entsprechend breit war die Berichterstattung in den Österreichischen Medien.

Und Mödling hat einen – der vier – Hauptpreise gewonnen; als einzige Gemeinde im Osten Österreichs.

KURIER am 25. September 2021
Standard am 25. Septermber 2021

Über diese Auszeichnung kann sich die Stadt als ganze freuen, ist sie doch ein Zeichen, dass Politik in unserer Stadt als innovativ anerkannt wird und Mödling insgesamt Beachtung in der Fachwelt findet.

Entscheidende Kriterien für die Preisverleihung an Mödling waren „nachhaltige Ansätze in allen Gestaltungsbereichen einer Gemeinde: von Mobilität und Partizipation über Ortskernstärkung bis zu Strategien gegen Leerstand und Zersiedlung“ (www.landluft.at). Wesentliches Kriterium waren die Einbindung der Bevölkerung und die Beiziehung von Expert*innen (in Mödling in Form des Gestaltungsbeirats).

Eines der Vorzeigeprojekte war die Gestaltung des Fliegenspitzes, die Abwicklung der Planung für des Neusiedlerviertel, das Areal um die Hyrtlkirche mit dem Neubau am Gelände des früheren Rot-Kreuz-Lagers mit der endlich erreichten Durchquerung von der Wienerstraße zum Mödlingbach für Fußgänger- und Radfahrer*innen, aber auch die Sharrows auf der Radroute vom Bahnhof zur HTL waren Pluspunkte für die Jury.

Besonders stolz kann – denk ich – Rainer Praschak sein, der in den Jahren zwischen 2015 und 2020 als GRÜNER Stadtrat für Raumordnung massgeblich für die Projekte verantwortlich zeichnete, die nun Grundlage der Preisverleihung waren.

Ich persönlich glaube, dass wir auch als Mödlinger GRÜNE insgesamt stolz sein dürfen, denn wir haben während der Zeit unserer Regierungskoalition auf mehreren Ebenen die Stadt mit zukunfstsweisenden Planungen und professioneller Umsetzung vor den Vorhang geholt: der Baukuturpreis ist eine ganz besondere Auszeichnung, aber auch die 4 „e“s bei der erstmaligen Einreichung als energieeffiziente Gemeinde waren ein Zeichen für erfolgreiche Arbeit der GRÜNEN in ihrer Verantwortung in der Stadregierung.

Ein bisschen sonnen darf sich auch unser Bürgermeister für Auszeichnungen wie diese. Und er wird sicher keine Gelegenheit auslassen, die Leistungen der Stadt unter seiner Führung zu betonen. Soll er doch. Aber es wäre schön, wenn er dafür sorgen würde, dass auch in der jetzigen ÖVP-SPÖ-Koalition zukunftsweisende politische Strategien verfolgt werden. Die Ankündigung, einen errichteten Radweg beim Krankenhaus aus persönlichem Ärger über unzisziplinierte (?) Radfahrer*innen wieder rückbauen zu lassen, ist leider ein Indiz für ein anderes Verständnis von Politik…

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Radweg in der Klausen? brauch´ma net!

15.März 2021 in ärgerlich, konkret, traurig

Mödling ist eine Stadt mit einem hohen Anteil an Radfahrenden. Das ist gut so. Und dazu beigetragen hat wohl auch der Bau von Radfahranlagen während der vergangenen Jahre.

Nun spricht es sich langsam im ganzen Land herum, dass das Radfahren nicht nur gesund, sondern auch ein Hebel in der Klimapolitik ist, indem Fahrten mit (fossil angetriebenen) Fahrzeugen ersetzt werden können. Förderungen für Radwege gibt´s heute so viel wie noch nie. Und nicht zuletzt auch das Land NÖ setzt ganz offen auf das Radfahren als Mittel der Mobilitätswende: heute, am 15. März wurde die Strategie „Aktive Mobilität“ von LRat Schleritzko in St. Pölten vorgestellt.

Mödling aber geht andere Wege…

Im heurigen Jahr wird – endlich – die Brühlerstraße (B11) von der Ortsgrenze zur Hinterbrühl bis zur Kreuzung mit der Alten Brühlerstraße, also ungefähr bis zu den Kletterfelsen saniert.

Dabei bietet sich eine einmalige Gelegenheit, die Radverbindung entlang der B11 zu verbessern.

Aktuell läuft die Radverbindung als gemischter Geh-/Radweg von den Kletterfelsen 10% bergauf und dann wieder bergab bis zu der Trafik, wo der Weg wieder die B11 erreicht. Landschaftlich ist diese Route sehr nett, für den Alltagsverkehr aber nicht angenehm: sie ist ziemlich steil, man teilt sich als RadfahrerIn den Weg mit SpaziergängerInnen und kommt oft auch den Kletterern ins Gehege, wenn Personen zur Seilsicherung mitten am Weg stehen. Außerdem wird dieser Weg bei Schneelage nicht vorrangig geräumt.

Der bestehende Radweg ist grün, der mögliche rot.

Die Brühlerstraße ist in diesem Bereich aber mit 8,60m sehr breit und das Land reduziert seit einiger Zeit anlässlich von Sanierungen die Kernfahrbahnen ohnehin auf 6,60m. Den Platz könnte man also ohne weiteres für einen Radweg neben der Fahrbahn nutzen. Es ginge sich sogar ein kleiner Grünstreifen zur Abgrenzung gegenüber der Kernfahrbahn aus.

In der Handskizze sieht man die Varianten: offiziell geplant wird neben der Fahrbahn ein (neuer) Streifen mit – Parkplätzen (!)

Und weil gerade von Förderungen für den (Alltags-)Radverkehr die Rede war: der Bund würde die Errichtung dieses Radwegs mit 60% fördern!

Na, gut: das wird ja wohl keine Diskussion wert sein, die Gelegenheit zu nutzen! Falsch: der Bürgermeister will darüber nicht einmal reden!

Das macht wirklich wütend. Denn wie man aus der Skizze sehen kann, wird der Streifen für die Parkplätze am nördlichen Rand der B11 errichtet. Und das bedeutet, dass man diesen nicht in nächster Zukunft für einen Radweg nutzen könnte, denn der ist ja – wegen der Anschlüsse – nur am südlichen Rand sinnvoll.

Hier wird also eine gute Gelegenheit für die Verbesserung einer innerörtlichen Radrelation für die nächsten Jahrzehnte fahrlässig zerstört, denn eine Landesstraße B (vulgo Bundesstraße) wird nicht so schnell wieder umgebaut.

Die jetzige Stadtregierung der beiden Wahlverlierer ÖVP und SPÖ sieht sich in der Verkehrspolitik in den 60er-Jahren. Das sollt eigentlich nicht wahr sein dürfen!

Hier führt der Weg für Radfahrende zwischen der Stadt und der Vorderbrühl – wohl auch noch die nächsten 30 Jahre 🙁

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Petition zum Waldschutz

30.Januar 2021 in herausfordernd, interessant, konkret

Vor kurzem haben wir die Online-Petition zum Schutz des Wienerwalds abgeschlossen.

Grund für diese Initiative waren und sind umfangreiche Schlägerungen entlang von Wegen im Wald – auch, aber nicht nur im Wienerwald – die zum Teil aus (vermeintlichen) Haftungsgründen erfolgen: aus der Befürchtung von Waldbesitzern, im Falle von Unfällen durch etwa herabfallende Äste oder gar umstürzende Bäume zur Verantwortung (=Schadenersatz) herangezogen zu werden. Dieser Angst kann auf mehrfache Weise begegnet werden: durch – aufwändige – Begutachtung der Bäume, aber eben auch durch die „Entfernung“ des Risikos, also der Bäume. Letzteres hat mittlerweile einen Begriff: „Schutzschlägerung“.

Die Art und Weise, wie die Bäume gefäällt werden, ist ein weiteres Thema…

Wir meinen, dass hier dringend rechtliche Klärungen / Änderungen erfolgen müssen, um die Haftungsfrage eindeutig zu klären, sodass das Argument der Sicherheit auch nicht mehr als Ausrede herhalten kann.

Insgesamt 3.005 Menschen haben die Forderungen nach

  • Abschaffung der Haftung für waldtypische Gefahren und
  • einen stärkeren Waldschutz, insbesondere in Naherholungsgebieten!

unterschrieben.

Infos zum Thema unter
www.wir-fuer-den-wald.at

Am 19. Feber werden wir die Unterschriften dem Vertreter von BM.in Alma Zadic, Vizekanzler Werner Kogler im Justizministerium übergeben.

Von Beginn weg haben wir immer festgehalten, dass wir mit der Petition Menschen, die von dem irritiert sind, was sie im Wald sehen, die Möglichkeit geben wollen, ihrem Unmut Ausdruck zu geben.
Aber es ist für uns ganz wichtig, festzuhalten, dass zu dem Thema der „Schutzschlägerungen“ viele Organisationen und Einrichtungen seit Jahren arbeiten und es seit einiger Zeit einen konstruktiven Dialog gibt, an dem auch das Justizministerium, aber auch die Umweltanwälte von Wien und NÖ, die Umweltabteilung der Stadt Wien (MA22), die Nationalparkverwaltung, die Direktion des Biosphärenparks Wienerwald und viele andere eingebunden sind. Wir wollen den Prozess mit unserer Petition unterstützen.

Wir sind aber von den übrigen „StakeholderInnen“ am Thema schon wahrgenommen worden und wurden und werden zu Gesprächen und Konferenzen eingeladen. So waren wir im Oktober 2020 zu Gast bei Alma Zadic im Ministerium, wo wir mit hohen BeamtInnen des Hauses über die Thematik diskutierten. Und seither werden wir zu weiteren wichtigen Meetings eingeladen. Anfang Feber haben wir auch einen Termin im Landwirtschaftsministerium (beide Ressorts, Justiz und Landwirtschaft, sind ja Adressaten unserer Petition).

Am 22. Oktober bei Frau BM.in Alma Zadic

Wir haben nun Gelegenheit, mit den in der Frage wichtigen EntscheidungsträgerInnen zu diskutieren, lernen viel über die Herausforderungen der Forstwirtschaft, können aber selbst auch den Standpunkt der WaldnutzerInnen einbringen, die uns nach wie vor ihre Eindrücke im Wald mitteilen. (Bitte um Beobachtungen und Fotos unter info@wir-fuer-den-wald.at).

So, wie es aussieht, bewegt sich einiges in eine richtige Richtung, sowohl auf der legistischen, als auch auf der informellen Ebene.

Leider dauert das Bohren dicker Bretter lange…

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Neue Jubiläumswarte am Anninger: ein Glücksspiel?

30.November 2020 in heikel, konkret

Die Kaiser-Jubiläums-Warte am Eschenkogel, unweit des Anninger-Schutzhauses am Gemeindegebiet von Gaaden wurde am 3. Juli 1898 eröffnet. Sie war nicht der erste Aussichtsturm an diesem Platz: schon 20 Jahre davor war eine Sofienwarte errichtet worden.

Zum 50. Jubiläum der Regentschaft des Kaiser wurde die neue Stahlkonstruktion mit 15m Höhe und 78 Stufen im Auftrag des Vereins der Naturfreunde in Mödling von 1877 erbaut.

Der Rundblick ist eindrucksvoll: (fast) ganz Wien, große Teile des Wienerwalds und im Süden Hohe Wand und Schneeberg liegen dem Besucher / der Besucherin zu Füßen. Entsprechend stark oft wurde die Warte „bestiegen“. Während der 120 Jahre hin und wieder saniert, musste sie allerdings im Sommer 2019 wegen schwerer Rostschäden gesperrt werden.

Von einer Sanierung wurde von StatikerInnen abgeraten. Frage also Neubau oder Abriss ohne Ersatz.

An Kosten für einen Neubau werden zwischen €200.000,- und €400.000,- angenommen. Stellte sich die Frage, wer diesen Betrag aufbringen sollte.

Die Gerüchte gab es schon länger, aber vor kurzem wurde es offiziell verkündet: Johann Graf, seines Zeichens Gründer von NOVOMATIC wird die Kosten übernehmen („aus seinem Privatvermögen“).

Das wird wohl nach allem Ärger für seine Firma im Umfeld der Arbeit des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses ein bissl Imagekorrektur bringen. Vielleicht geht die Erwartung des großzügigen Sponsors in diese Richtung. Vielleicht sollten wir aber auch aufpassen, ob in Zukunft im Anninger Schutzhaus oder in der Krausten Linde Spielautomaten aufgestellt werden. Oder gibt´s noch andere Kompensationsmöglichkeiten? Zumindest einen neuen Namen für die Warte?

„Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ heisst es.

Ich hätte es für besser gehalten, wenn man seitens des Vereins ein öffentliches Crowd-Funding versucht hätte. Gerade die herausragende Lage und damit die Bekanntheit der Warte wäre eine gute Grundlage gewesen, Bausteine breit anzubieten. Es wäre so ein Projekt der Anninger-BesucherInnen geworden.

Aber, natürlich: einfacher ist es so.

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